Orientalische Architektur

 
  Zunächst einmal – was verstehen wir unter ORIENT. Der Duden sagt dazu: „(lat.: oriens = Aufgang (der Sonne)) Mit dem Orient ist das Morgenland, die Gegend, wo die Sonne scheinbar aufgeht, im Unterschied zum Okzident oder Abendland. Im allgemeinen versteht man unter Orient die Länder Vorderasiens mit Ägypten, im weiteren Sinn das Gebiet der islamischen Kultur.

 

  Mit dem Beginn des Islam ab dem 7.Jh. begannen arabische und islamische Architektur zu verschmelzen – so wurden z. B durch das Verbot Menschen im Bild darzustellen viele versch. Ornamente aus der Pflanzen- und Tierwelt dargestellt und zwar so vielfältig, dass für ein Bauwerk niemals zwei gleiche Muster verwendet werden mussten. Auch die Schrift eignete sich hervorragend als Mittel der Ornamentik.

  Ferner dienten Bögen der Raumgestaltung, Gewölbedecken wurden in verschiedensten Ausführungen hergestellt. (Wabenartig, kuppelartig, Blütenartig...)

Das Spiel mit Licht und Schatten floss in den heißen Ländern ebenfalls in die Architektur ein – Stern- oder 8-eckige Öffnungen in der Gewölbedecke bringen außerdem auch wunderbare Lüftung im heißen und extremen Klima mit gleißendem Sonnenlicht.

So ist auch immer eine Balance zwischen Helligkeit und Dunkelheit sehr wichtig. Häufig sieht man daher, dass sich helle Steine mit dunklen Basaltsteinen abwechseln. Die dunklen Steine absorbieren im Sommer das helle Licht und die hellen Steine sorgen im Winter für eine zusätzliche Helligkeit – ebenso wie Lichtschächte.

Die typische orientalische Stadt ist gekennzeichnet durch Minarette von wo aus der Muezzin die Gläubigen zum Gebet ruft. Die alte Stadt, die Medina, ist ein Gewirr aus Gassen, meist ohne Straßennamen, was das Zurechtfinden für Fremde fast unmöglich macht. Die Häuser stehen zudem sehr eng beieinander und die Straßen dazwischen sind schmal und unübersichtlich. Die Medina gleicht quasi einem Labyrinth. Verstärkt wird die Orientierungslosigkeit noch dadurch, dass oft noch nicht einmal der Himmel zu sehen ist, da viele Gassen  überbaut sind oder durch Stoffbahnen, die Sonne und Regen abhalten, überdacht wurden.

Das Geschäftsviertel wird in der Türkei Basar genannt, in arabischen Ländern Souk und bildet das Herz einer arabischen Stadt. Hier pulsiert das Leben und es herrscht überall geschäftiges Treiben. Es duftet nach allem möglichen.

Die Straßen sind nach Handwerksbetrieben aufgeteilt – es gibt die Straße der Goldschmiede, Sattler, Hutmacher, Weber, Gewürzhändler usw. Die geruchs- und lärmintensiven Berufe befinden sich weit außerhalb (Z.B. Schmiede und Gerber) – so stören sie niemanden.  

                      

Überall sind in den kleinen Läden Waren gestapelt, meist vom Boden bis unter die Decke. Es wird gehandelt und gefeilscht und Tee getrunken.

Die Altstadt Medina vieler arabischer Städte ist heute dem Verfall preisgegeben, da es oft an Geld und manchmal auch am nötigen know how zur Restaurierung fehlt.

Viele Bewohner verlassen die alten Häuser und ziehen in neue und moderne Wohnungen um, die nicht mehr aus den traditionellen Baustoffen hergestellt sind. Dies bewirkt auch eine Änderung der Sozialstruktur, es entstehen riesige Schlafstätte und belebte alte Stadteile verwaisen und verfallen.

Heute bemüht man sich um Restaurierung aber auch dies ist oft eine zwiespältige Geschichte, da entweder versucht wird wieder das Bild des 19. Jh. auferstehen zu lassen oder es wird altes einfach abgerissen und moderne Stadtteile nach westlichem Muster entstehen.

So z.B. auch in Kairo, das mit 50.000 Einwohnern/km2 eine der am dichtesten Besiedelten Städte ist. Kairo ist dem Kollaps nahe und es wird viel Altes vernichtet und die Stadt nach westlichem Vorbild erneuert. Lärm und Abgasgestank sind ständiger Begleiter in Kairo, was für die alte Bausubstanzen zudem verheerende Folgen hat.

   Dubai, das durch die Petroldollar ganz andere Möglichkeiten hat baut neue Städte oft nach dem Vorbild der USA – zu sehen sind viele Glasfronten, Metall und Spiegel. Hochhäuser beherrschen das Stadtbild. Andererseits entdecken wir aber viele Ornamente und Bauelemente die an die alte Architektur erinnern.

Ein faszinierende Mischung aus Moderne und Tradition entstand.

Z.B. die traditionelle Form eines Zeltes, hergestellt mit high technology ist perfekte Anlehnung an alte Bauformen und wurde z.B. in Mekka und Medina eingesetzt um die Pilger vor der sengenden Sonne zu schützen.

Aber diese Mischung aus Tradition und Moderne hat ihren Preis, den sich nicht alle Länder leisten können.

Ist man als Tourist in arabischen Ländern unterwegs, sucht man natürlich noch den Reiz der original arabischen Architektur – wer hier leben muss sehnt sich aber nach mehr Komfort in den Häusern.

Marrakesch z.B. ist für mich noch eine Stadt, die diesen Reiz nicht verloren hat. Hier trifft man vor allem im Bereich der Medina und um dem Platz Djem el fna noch das Bild, das man erwartet.  

                    Djema el Fna, Marrakesch           

Eselskarren, Autos und Busse und dann noch ein Fahrrad quetschen sich um eine enge Kurve, so dass nur noch eine Zeitungsseite dazwischen passt.  

Beispiele der Ornamentik 

                                 

                                                      Bahdiapalast Marrakesch           

In einer orientalischen Stadt finden wir verschiedene Arten von Häusern:

Ein Khan ist ein abgeschlossenes Haus der Handwerker, meist gab es keine Fenster nach außen, so dass der Lärm außerhalb keinen störte und fall ein Brand ausbrach konnte er sich nicht außerhalb ausbreiten. (Die galt früher übrigens auch für viele Privathäuser)

Karawansereien waren die Hotels der frühen Epochen. Die Karawanen konnten ihre Kamele hier unterstellen und fanden selbst Quartier.

Ein Haus ist nach außen hin eher geschlossen, meist von einer hohen Mauer umgeben und die Räume gruppieren sich um den Patio, den Innenhof, der in reichen Häusern ein blühender Garten ist. Hier findet das Leben statt..

                Patio Marrakech   

Früher wurde traditionell aus Lehm gebaut, später dann mit dem haltbareren Stein – vor allem diejenigen bauten so, die es sich leisten konnten – diese statteten die inneren Räume auch mit Marmor aus und im Garten sprudelten Wasserspiele in Brunnen und/oder Bassins, die angenehme Kühle verbreiteten.  

In arabischen Häusern sind Wohn- und Schlafbereich nicht so voneinander getrennt, wie wir das so kennen –es ist offener. Im Sommer wird manchmal auch auf dem flachen Dach geschlafen, da es hier angenehmer ist.

Die Häuser sind mit Holzbalustraden in den oberen Stockwerken versehen, die Fensteröffnungen sind durch ein fein gedrechseltes Kunstwerk aus Holz, das das helle Licht gut absorbiert versehen.

Diese Holzgitter, die es in vielen verschiedenen Drechselarbeiten gibt, werden MASCHRABIA genannt. Man kann zwar von innen hinaussehen, aber niemand kann hineinschauen.

                        

                       Sidi Bou Said                                                                 Port el Kantoui

Das Privatleben wird sehr stark akzeptiert. Die Häuser sind in zwei Bereiche aufgeteilt: Salamlik – im Erdgeschoß, hier werden Besucher empfangen, halten sich die Männer auf. Im Obergeschoß befindet sich der Haramlik – dies ist der Wohntrakt der Frauen. Hier ist auch der Khar, was etwa unserem Wohnzimmer entspricht. Hier wird gefeiert, es ist quasi der Gemeinschaftsraum der Familie.  

Es ist/ war Sitte, dass ein Fremder das Haus nur in Begleitung eines männlichen Familienmitgliedes betreten darf. Die Haremsfenster sind intimster Ausdruck von Privatheit und Verschlossenheit in der arabischen Architektur. Kein Fremder darf den Harem betreten.

Nabila Shams El Din