Buchbesprechungen von Ellen Albrecht   

weitere Besprechungen: 1Methodik Didaktik  - 2Orientik Gym u. Orientology - 3Orient im Film  Seite 5 E. Albrecht  Seite 6 E.Albrecht  7Tanz in der Physiotherapie

Die Sonne im Gesicht / Allein nach Mazar e Sharif / Zerreiße die Schleier der Ohnmacht/ Gaza

Die Sonne im Gesicht
Deborah Ellis
ISBN:357021249, VLG-Omnibus, 128 S.,6.00 Euro,ab 14 J. als TB.2003

Es wird die Geschichte des afghanischen Mädchens Parvana erzählt. Durch die vielen Kriege und Unruhen ist ihre einst reiche und intellektuelle Familie verarmt. Zusammengepfercht in einem kleinen Zimmer lebt die Familie, bis der Vater von den Taliban ins Gefängnis gesteckt wird. Die Mutter zerbricht daran und so muss Parvana als Junge verkleidet für den der Familie sorgen, denn ihr Bruder wurde durch eine Landmine getötet.

Die Autorin schafft es,o hne Dramatisierungen ein klares Bild der Situation zu zeichnen. Detailliert werden Gefühle und Reaktionen der leidenden Menschen aufgezeigt, aber auch, wie der Mut zum Widerstand wächst.


Der zweite Band erschien dieses Frühjahr
Allein nach Mazar-e-Sharif
Debrah Ellis
ISBN:3702657487,,VLG-Jungbrunnen-2003,144 S.,13.40 Euro,ab 14 j.

Der Leser trifft Parvana in dem Fortsetzungsband allein an. Der Vater ist nach der Entlassung aus dem Gefängnis, an Erschöpfung gestorben. Die Mutter und ihre Schwester sind nach Norden-Mazare-e-Sharif unterwegs. Pavana bleibt bei einer Bekannten, bis sie erfährt, dass auch der Norden in die Hände der Taliban gefallen ist. Nun begibt sie sich auf die Suche nach ihrer Familie. Unterwegs kümmert sich um ein Baby, dessen Mutter ermordet wurde und auf einen Jungen, dem eine Mine ein Bein weggerissen wurde. Und ein wenig später findet sie ein Mädchen, das mit seine verwirrten Großmutter am Rande eines eines Minenfeldes lebt und sich dort von dem ernährt, was Tote hinterlassen. Aus ihnen wird eine Solidargemeinschaft, die weiter durchs Land irrt. Die Autorin prangert sehr deutlich das frühe Erwachsenwerden der Kriegskinder an, allerdings fehlen
die Hintergründe für diesen Konflikt, dazu muss der Leser sich noch zusätzliche Informationen besorgen. Aber ansonsten sehr lesenswert.


Zerreiße den Schleier der Ohnmacht
Behjat Moaali/Manuela Runge
ISBN:3810512850, VLG-Krüger,272S.,19.90 Euro

In der Autobiografie von B.Moaali kreuzen sich die Lebenswege zweier Frauen aus dem Iran, durch ihre gemeinsame Geschichte. B.Moaali übernimmt als Rechtsanwältin in Teheran im Juni 1979,die
Pflichtverteidigung der Tara Zendeh. Trotz undurchsichtiger Beweislage wird sie des Kindesmords angeklagt. Zu diesem Zeitpunkt ist der Iran ein machpolitischer Hexenkessel. Nach dem Sturz des Schahs rief Khomeini am 1.4.1979 die "Islamische Republick Iran" aus. Der streng orthodoxe Kurs seiner Regierung erneuerte das
alte islamische Strafrecht, die "Scharia". Als Grundlage der Rechtsprechung sieht diese vor, dass Ehebruch mit dem Tod durch Steinigung bestraft wird, Verletzung des Schleierzwangs mit über siebzig Peitschenhieben, Mord durch Todesstrafe. Tara Zendeh wird durch den Strang hingerichtet. Als engagierte Frauenrechtlerin gerät
Maali schließlich selbst ins Visier der Islamisten und muss aus Teheran fliehen. Die Erfahrungen im Kampf gegen die islamische Rechtsprechung haben ihren Lebensweg bis heute nachhaltig geprägt. Gemeinsam mit der
Literaturwissenschaftlerin Manuela Rungeerzählt sie ihre Geschichte, zeitgleich angelegt mit dem Lebenslauf der T.Zendeh. Seit 1989 lebt Behjat Moaali in Deutschland. Sie arbeitet als Dolmetscherin und Juristin für iranisches Recht und leitet das Kieler Zentrum für Folter-, Flucht-und Gewaltopfer REFUGIO.


Gaza
Tage und Nächte in einem besetzten Land
Amira Hass
ISBN:3406502032,VLG-Beck,410S.,24.90Euro

Ihre Geschichten sind keine Kriegsberichterstattung. Sie erzählen weder von Selbstmordattentetn noch ferngezündeten Splitterbomben. Hautnah berichtet Amira Hass, Korrespondentin der israelischen Zeitung "Ha'aretz", vom Alltag der Palästinenser in den Autonomiegebieten. Seit vier Jahren lebt die Tochter
osteuropäischer Holocaust-Überlebender als erste und einzige israelische Journalistin im Gazastreifen. Mit dem Blick auf die Menschen dokumentiert sie die alltäglichen Momente in den von Israel besetzten Gebieten: die anhaltende Bedrohung durch das Militär, die willkürlichen Verzögerungen beim Passieren der Checkpoints und die Angst vor einer dauernden Abriegelung. Die Heimat von A.Hass ist und bleibt Israel. Als ihren persönlichen Auftrag empfindet sie ,die Geschichte der Menschen im Gazastreifen zu erzählen.