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Der Harem |
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anderes Wort des arabischen Sprachgebrauchs weckt so viele Fantasien wie
das Wort Harem, es stammt vom arabischen Wort "haram" =
verboten ab (im Sinn von verboten für andere) Wir denken sofort an die
Märchen aus 1001 Nacht, an schwülstige Bilder von Malern des 19. Jh.
– die noch nicht einmal einen Harem von innen gesehen haben – und
sich allein auf ihre Fanta
Im Harem der türkischen Sultane lebten zeitweise bis zu 800 Frauen. Vom Sultan wurden jedoch nur wenige für intime Beziehungen ausgewählt und noch weniger wurden zur Ehefrau erwählt. Auch die Frauen des Sultans unterstanden einer Rangordnung: als erstes kamen seine 4 Frauen, die mit ihren Kindern in separaten Gemächern lebten. Die nächste Stufe waren die Glückseligen und dann die Favoritinnen. Die letzteren waren es, mit denen der Sultan intime Beziehungen hatte. Sie wurden entweder von ihm selbst oder aber auch von seiner Mutter ausgesucht. Auch der Wesir oder hohe Beamte konnten sie vermitteln oder gar schenken. Es wird geschätzt, dass ihre Anzahl zwischen 4-10 lag. Wurde eine Frau Favoritin, so erhielt sie ein eigenes Zimmer und einige Dienerinnen. Sie wurde vor der Begegnung mit dem Sultan sorgfältig im Hamam gewaschen und mit Düften eingerieben. Es war aber nicht so einfach den eigenen Sohn dahin zu bringen, dass er später mal Sultan werden konnte. Viele Söhne verschiedener Mütter, standen zur Wahl und wurde einer tatsächlich Sultan, so verdankte er seiner Mutter meist sogar sein Leben, denn sie hatte es zu verhindern gewusst, dass er z.B. vorzeitig vergiftet wurde (wie gesagt, die Konkurrenz war groß und es wurde mit allen Mitteln um die Macht gekämpft). So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich die Mütter immer der Hochachtung ihres Sohnes gewiss sein konnten und sie auch nicht selten in der Politik ein Mitspracherecht, wenn auch nur inoffiziell, hatten.
Die Valide-Sultan, die Mutter des Sultans wählte nach einem Beischlafterminplan die Frauen aus, die ihrem Sohn zugeführt werden sollten. Der Sultan trug nägelbeschlagene Schuhe, damit die Dienerinnen ihn hörten und sich diskret zurückziehen konnten, wenn er seine Liebste besuchen wollte.
Eine Dienerin konnte den Harem nach ca. 9 Jahren auch verlassen um z.B. zu heiraten. Dieser Wunsch musste dem Sultan oder Sultansmutter schriftlich mitgeteilt werden. Im Falle der Zustimmung erhielt sie dann auch eine Mitgift. Andererseits stellte der Sultan auch den hohen Beamten seines Reiches Frauen aus seinem Harem zur Heirat zur Verfügung - dies konnten durchaus auch Frauen sein an denen er selbst keinen Gefallen mehr fand. Die Frauen, die im Harem arbeiteten waren in eine Hierarchie eingeteilt:
Intrigen und Eifersüchteleien waren an der Tagesordnung, immerhin ging es um die Machtausübung und jedwede Gelegenheit wurde genutzt, um sich und die eigenen Söhne ins rechte Licht zu rücken. Langeweile und Einsamkeit waren für viele Bewohnerinnen stetige Begleiter. Zwischen jeweils 10 Dienerinnen hatten je eine Meisterin oder eine Gesellin ihr Zimmer, um Streitigkeiten vorzubeugen. Es gab außerdem auch noch spezielle Meisterinnen: Meisterin der Gastronomie, Kaffeemeisterin, Gieskannenmeisterin, Vorratsmeisterin, Pflegemeisterin, Heizmeisterin, Krankenmeisterin sowie Säugemütter, Schatzmeisterin und Oberhaushälterin. Das Dienstpersonal arbeitete ca. 9 Jahre im Harem und bekam dann eine Freiheitsurkunde ausgestellt. Wurde diese von den Frauen zurückgegeben, bedeutete dies, dass sie im Harem verbleiben wollten.
Bildung war für die Haremsbewohnerinnen sehr wichtig. Die Neuankömmlinge wurden in die Regeln des Palastes eingewiesen, sie wurden im Koran und den Pflichten des Islam unterrichtet (nicht alle kamen aus islamischen Ländern), in Handarbeiten sowie in der Kunst der Musik, des Tanzes und des Gesanges.
Nach Auskunft von Leyla Hanimefendi (im Weitern mit L.H. abgekürzt) lernten während des 18. Jh. im Caragan Palace und dem Domabahce-Palast die Dienerinnen "kalfas" das Spielen von Musikinstrumenten. Sie wurden von den Eunuchen zu den Professoren, die alle Männer waren, geleitet. Ihre Köpfe waren von ca. 2m Stoff bedeckt, entweder trugen sie den Yasmak oder einen Schleier, den sie im Haar befestigten während zwei Enden über ihre Schultern hingen. Die westlichen Orchester und die brass band übten 2x die Woche und das Orchester für Türkische Musika nur einmal. Auch Tänzerinnen wurden hier unterrichtet, sie kamen nach Auskunft von L. H. sogar unverschleiert und hatten einen extra Raum zum Üben. Aber an Generalproben übten die Balletttänzerinnen und das Orchester zusammen im großen Festsaal, in dem auch die Bankette stattfanden. Die westliche Musik wurde nach Noten gespielt, die türkische ohne - sie wurde per Hören weiter gegeben. Das Orchester, das für die Mutter von Abdül Mecid (1839-1861)spielte bestand aus folgenden Instrumenten: Harfe, Ud, Kanun und zwei kleinen Handtrommeln, die von den Sängerinnen gespielt wurden, die vom Orchester begleitet wurden. Diese Sänger erhielten keinen Unterricht. L.H. schreibt: " ich kannte nur eine, die Sängerin Zeyneb, sie war aus Abessinien, mit einer sehr schönen Stimme, die Schülerin von Meistern wie Haci Faik und Haci Arif war und später auch vom königlichen Orchester akzeptiert wurde."
Kemal Atatürk bereitete dem Harem und der Verschleierung zu Beginn des 20.Jh. ein Ende. Quellenangabe: "Harem", Verlag Keskin Color, Istanbul "Le Harem" - Mystère des Ottomans von Ilhan Aksit, Istanbul "Imperial Harem of the Sultans" von Leyla Hanimefendi, ISBN 975-7638-19-5 Weitere Informationen und schöne Bilder sind hier zu finden: |