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Die Stellung der Frau im Mittelalter in Europa:

 

 

Allgemeine Betrachtung

"Frauen sind labil, führen andere in Versuchung, sind zänkisch, herrisch und stets bemüht, den Mann zu unterjochen und ihn jeder Lebensfreude zu berauben. Frauen sind für den Mann erschaffen worden und haben sich ihm deshalb zu unterwerfen. Von Natur aus minderwertig, sind sie dem Mann körperlich und geistig unterlegen." Dieses Zitat auf http://www.das-mittelalter.de/frauen_im_mittelalter.htm  zeigt das Frauenbild mittelalterlicher Kirchenfürsten

Männer mussten vor den Frauen „beschützt“ werden, die immer versuchten sie zu verführen. Als Alibigeschichte dient/e die Geschichte Evas, die Adam im Paradies verführte vom verbotenen Apfel zu essen.

„Der Mann ... ist wie geschaffen dafür, ein gottgefälliges Leben zu führen. Frauen sind ungebändigt, zügellos und widerspenstig und müssen erst vom Vater und später vom Ehemann "erzogen" werden, um Demut und Gehorsam zu lernen.
Besonders die Sexualität der Frau bedarf einer Reglementierung. Ihre Triebhaftigkeit, die den Mann stets ins Verderben zu führend droht, kann nur durch die Ehe gebrochen werden. In der Ehe ist die Sexualität der Frau auf die Verpflichtung, für Nachwuchs zu sorgen, reduziert, und der Frau werden Aufgaben als Mutter und Herrin des Hauses zugewiesen.

Mit der Beschränkung auf den häuslichen Bereich ist der Ausschluss der Frau von öffentlichen Ämtern beschlossen. Sie darf weder Richterin werden noch andere Herrschaftsbefugnisse erlangen. Versammlungen und freie Meinungsäußerungen sind ihr verboten.“ (Gyburc Rennewart) 

Die Kirche hielt die Menschen des Mittelalters dumm, Lesen und Schreiben beherrschte meist nur die Oberschicht.

 

Kannte sich nun eine Frau besonders gut in medizinischen Dingen aus, konnte sie gar Dinge, die andere nicht verstanden, so war dies zu der damaligen Zeit für die Kirche suspekt und nicht selten wurden solche Frauen als Hexen verschrien. Ebenso erging es Frauen, die besonders hübsch, vor allem rothaarig waren. Nicht selten kam es vor, dass solche Frauen von Männern der Oberschicht begehrt wurden – verweigerten sie sich, so wurden sie schon mal als Hexe angeklagt. (siehe Extrakapitel „Hexenverfolgung“)

Alleinstehende unverheiratete Frauen waren hier besonders gefährdet. Die Stellung der Frau wurde durch ihren Familienstand bestimmt. Ehe und Kindererziehung wurden als das Ideal der Frau angesehen.

Ledige Frauen, besonders die der Oberschicht verbrachten ihr Leben meist  als Nonne. Nicht selten spendeten die Familien dieser Frauen der Kirche nicht unerheblich Mittel. Somit war das kirchliche Interesse an ihnen natürlich auch finanzieller Natur.

Gyburc Rennewart schreibt: „Die Theologen des Mittelalters blieben bei ihrer frauenfeindlichen Darstellung und leiteten die Minderwertigkeit der Frau aus der Bibel her. Sie argumentieren damit, dass Eva aus der Rippe Adams und nicht aus seinem Kopf oder seinem Herzen geschaffen wurde. Die wenig wertvolle und entbehrbare Rippe gebe Auskunft über die Wertigkeit der Frau als Gespielin und Unterhalterin des Mannes. Da es ihr an Herz und Verstand fehle, konnte auch nur die Frau verführt werden, die Frucht des verbotenen Baumes zu kosten. Für diese Sünde sühnt sie mit den Schmerzen bei der Geburt ihrer Kinder. Die durch ihre Geschlechtsfunktion ermöglichte Läuterung der Frau ehrt sie, obwohl gerade ihre Geschlechtlichkeit immer wieder als das Sündhafte ihrer Existenz angesehen wird.“    „Sei dem Manne untertan“ heißt es denn auch tatsächlich noch bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts in den Trauungsformeln.   Das Heiratsalter war auch in Europa im Mittelalter sehr niedrig. Im 12. Jh. bestimmte Papst Alexander per Dekret, dass Mädchen mindestens 12 und Jungen 14 Jahre alt sein sollten (im Adel war es vorher üblich Kinder sogar noch früher zu verheiraten). War eine Frau mit 20 noch nicht verheiratet, galt sie als „alte Jungfer“ und ihre Chancen einen Mann zu finden wurden immer geringer.   Ab dem 13. Jh. wurde das Aufgebot am Kirchentor angeschlagen   Ehen wurden entweder vom Lehensherr, Pfarrer oder Eltern arrangiert und obwohl das Kirchenrecht die freie Einwilligung beider Ehepartner vorschrieb geschah es nicht selten, dass Frauen von ihren Eltern zur Ehe gezwungen wurden. Wirtschaftliche und politische Interessen bewogen vor allem die Reichen und Adligen dazu ihre Töchter meist älteren Brautwerbern zur Frau zu geben. In Fällen, in denen beide Ehepartner noch Kinder waren, lebten diese meist noch jahrelang bei ihren Eltern bevor sie zusammen zogen. Es kam auch vor, dass eine Hochzeit anuliert werden konnte, wenn sie nicht vollzogen war – wenn auch eher selten.   Zu Beginn des Mittelalters aßen bei den Adligen die Frauen getrennt von den Männern, später änderte sich dies. Der Autor des Parzival, Wolfram von Eschenbach, mokierte sich sogar über die neuen höfischen Tischsitten: Männer und Frauen saßen gemeinsam bei Tisch, ein Edelfräulein neben einem Adligen usw.  

Bildung und Freizeit der adligen Frau

Zur Ausbildung der Mädchen gehörte hauptsächlich: Unterweisung in Religion, Lesen und Schreiben. In dieser Gesellschaftsform hatte Bildung keinen großen Stellenwert. Begründeten doch Kampffähigkeit und Eroberungen den Reichtum des Adels.

„Erst später - mit der Verbreitung des Schrifttums, wo "Beamte" (Ministeriale) aus dem Bürgertum aufgrund ihrer Kenntnisse den Adelstitel verliehen bekamen, wurde Bildung als Vorzug betrachtet.“ 

Mitte des 12. Jahrhunderts wurden dann die ersten Universitäten gegründet, man verweigerte allerdings den Frauen den Zutritt.

So gehörten hauptsächlich Sticken, Weben, Reiten, Schachspielen, Singen, Tanzen, Gedichte vortragen und die Anwesenheit bei Ritterturnieren zu den Beschäftigungen der adligen Frauen. Ihre Aufgabe war es, bei Hoffesten für die Unterhaltung und Friedfertigkeit der stets kampf- und streitbereiten Ritter zu sorgen, indem sich die Frauen immer zwischen die Ritter platzieren mussten.

Im Mittelalter wurden adlige Frauen am Hofe als Friedensstifterinnen angesehen, von Minnesängern wurden sie still verehrt und besungen.

Frau und Minne

  Die adligen Ritter hatten neben ihrem Dienst für Lehnsherr oder Kirche auch die Aufgabe des Minnesangs, der jedoch freiwillig geleistet wurde. Sie suchten sich eine Herrin und trugen ihre Farben auch bei Turnieren. Die so öffentlich geehrten Damen, die in ihrer Stellung meist höher standen als die Ritter, nahmen dies zwar gern zur Kenntnis, mehr war aber nicht möglich. Troubadoure (so nannten sich die Sänger aus Frankreich) und Minnesänger besangen ein idealisiertes höheres Wesen, das für sie unerreichbar blieb, dies nannte man „Hohe Minne“. Sie traten mit ihrer Kunst öffentlich in Städten sowie am Hofe auf, erreichten gar, dass sie auch in mittelalterlichen Oden und Epen behandelt wurden. Anstand und Zurückhaltung waren ihre Werte, eine Liebe ohne Hoffnung und die Gewissheit nie erhört zu werden.   Der Hohen Minne stand die Niedere Minne gegenüber, die auch einem Mädchen oder Frau von niederem Stand gelten konnte. Es war nun nicht mehr eine unerfüllbar bleibende Liebe, die Möglichkeit der Erhörung war hier durchaus real.   Bekannte Ependichter und Minnesänger sind Wolfram von Eschenbach, Reinmar von Hagenaus, Walther von der Vogelweide und Gottfried von Straßburg.      

Rechtliche Stellung der Frau

Die Auffassung der Kirche (siehe auch Einleitung) hat auch Auswirkungen auf die rechtliche Stellung der Frau im Mittelalter.
Nach dem germanischen Recht durfte eine Frau Vermögen besitzen und war auch erbfähig, Söhne wurden ihr aber vorgezogen.
“Nach dem Decretum Gratiani, dem Liber Extra und der Codefizierung durch Papast Gregor IX. wird die Frau jedoch deutlich schlechter gestellt“. Kirchliche Ämter sind für Frauen nicht zugänglich, selbst die niedrigsten Weihegrade darf sie nicht empfangen und mit Ausnahme der Äbtissin hat sie auch in der Liturgie keine Stellung (was sich ja auch bis heute nicht geändert hat!).

In gesellschaftlicher Hinsicht ist die Frau dem Mann in jeder Hinsicht unterworfen. Lediglich der Eintritt ins Kloster bringt Frauen eine Aufwertung ihrer sozialen Stellung.“


Ab dem 11. Jahrhundert wird Frauen allerdings das Lehenswesen ermöglicht, um als Witwen die Familie ernähren zu können. In der städtischen Gesellschaft des Hochmittelalters war es Frauen sogar möglich das Bürgerrecht zu erwerben, womit sie auch ein Gewerbe gründen oder Handel betreiben konnten. Es gab sogar einige Frauenzünfte.
In Adelskreisen gibt es allerdings immer wieder Ausnahmen von der Regel der Benachteiligung der Frau, es sind einige Beispiele vorhanden, wo die Mutter die Vormundschaft für die minderjährigen Söhne erhält.

Im 12. Jahrhundert wird die Frau Gegenstand der Minnedichtung, was zumindest in Adelskreisen zu einer Aufwertung der Frau, aber nicht zu rechtlicher und sozialer Gleichstellung führt.

Ehevertrag

  Per Ehevertrag wurden die Besitzfragen geklärt. Hatte eine Frau Vermögen, so ging es in die Verfügungsgewalt des Mannes über. Nach dem Tod des Mannes hatte allerdings die Frau Anspruch auf einen bestimmten Teil des Besitzes. Im Sachsenspiegel ist genau festgelegt was zu dem Erbe einer Frau gehörte: Leibeigene, Grundbesitz, Schafe, Gänse, Truhen, Garn, Kissen, Laken, Tisch- und Bettwäsche, Leuchter, Kleidung, Schmuck, kirchliche Bücher, Sessel, Teppiche Vorhänge usw.   Die Ehefrauen unterstanden der absoluten Autorität des Mannes, durften keine Verträge abschließen und nur mit Genehmigung des Gatten vor Gericht klagen (Munt), mit Ausnahme die Frau verklagte ihren Ehemann.   Der Mann hatte also Vormundfunktion für die Frau, er konnte sogar ihr Vermögen veräußern. Die Ehefrau wird es sich dreimal überlegt haben nicht zuzustimmen, denn dies wurde als Treuebruch angesehen und hätte arge Folgen gehabt, so z.B. Züchtigung oder Trennung.   Eine Scheidung im offiziellen Rahmen war nicht möglich allerdings die räumliche Trennung, die manchmal von Gerichten genehmigt wurde. Trennungsgründe waren: Ehebruch, Nichtvollzug der Ehe, Trunkenheit der Frau, ansteckende Krankheiten, religiöses Ketzertum und Misshandlung der Frau. Letzteres war allerdings schwierig durchzusetzen, da es erlaubt war seine Frau zu züchtigen. Übertriebene Rohheit sollte zwar vermieden werden – aber über den Grad hatten die Gerichte zu befinden.   Gewalt gegen Frauen war durchaus üblich, was auch Gerichtsakten belegen. Dabei waren nicht nur die Ehemänner sondern auch männliche Verwandte oft die Angeklagten. Meist wurde allerdings auch von Gerichtsseite den Männern die Züchtigung zugestanden, ja ihnen war sogar erlaubt eine Frau zu töten, die beim Ehebruch erwischt wurde. Die Strafen für ehebrechende Männer fiel wesentlich geringer aus!   Erbrecht und Witwentum   Unverheiratete Frauen standen sich besser als verheiratete. Witwen waren nicht mehr Mündel ihrer Ehemänner und erlangten die Rechte zurück, die sie vor der Eheschließung hatten. War das Erbe beträchtlich, konnte sie  sogar ohne Hilfe von Verwandten leben – allerdings brauchten sie eine gehörige Portion Selbstbewusstsein, um sich alleine zu behaupten. Nicht wenige gingen daher erneut eine Ehe ein.    

Gyburc Rennewart schreibt: „Dem Recht nach waren volljährige (18 Jahre), ledige Frauen und Witwen selbständig. Als Witwe konnte die Frau die Vormundschaft über ihre unreifen Kinder erwerben. Frauen, die ein reiches Erbe erhalten hatten, mussten sich meistens neu verheiraten, um ihren Besitz zu schützen. Das Erbrecht der Frau gestaltete sich unterschiedlich - sie erlangten es immer dann, wenn keine männlichen Erben mehr vorhanden waren. Üblicherweise verloren verheiratete Frauen durch die Mitgabe der Mitgift vollends ihren Erbanspruch. Die Frauen waren in der Regel finanziell und vom Schutz der Männer abhängig. Diese beiden Kriterien verfestigten ihre untergeordnete Stellung innerhalb der Feudalgesellschaft.“  

Gewalt gegen Frauen

In einigen Gegenden Europas gab es auch das Recht der ersten Nacht. Dies bedeutete, dass die jungvermählte Frau sich dem Landesherrn als erstes hinzugeben hatte. Erst danach war der Ehemann berechtigt mit seiner Frau zu schlafen.   Auch dies war ein Zeichen für die Unmündigkeit der Frauen dieser Zeit und für die despotische Herrschaftlichkeit der herrschenden Männer. Die wachsende Selbständigkeit der Frauen war vielen Männern ein Dorn im Auge. Brutalitäten und Unterdrückung waren für den Großteil der Frauen nach wie vor grausame Realität. Auch Vergewaltigungen waren sehr häufig. Gyburc Rennewart schreibt:  „Eine Frau, die Notzuchtsklage gegen einen Mann einreichte, musste dies mit zerrissenen Kleidern und zerzausten Haaren tun. Nur der Augenscheinbeweis wurde von den Richtern anerkannt.“
Man richtete sich nach der kirchlichen Auffassung von der Sündhaftigkeit der Frau und so wurde der Charakter der Frau an sich in Zweifel gezogen und alle möglichen Argumente dafür gesammelt.

Typische "Frauendelikte" waren Abtreibung, Zauberei und Prostitution und galten als Rechtfertigung, Frauen allgemein schlecht zu behandeln. Die sieben Todsünden wurden mit Frauengestalten abgebildet. Der Weg von der Verteufelung der Frau führte bis zur Hexenverfolgung. Bereits im 15. Jh. gab es die ersten Hexenprozesse. (siehe Extrakapitel)

Der Hexenhammer von Jakob Spengler und Heinrich Institoris von 1487 war über 2 Jahrhunderte lang der Freibrief, Frauen als Hexen auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen.

Aber einige Frauen setzten sich gegen diese gewaltsame Willkür zur Wehr. Frauen schlossen sich zu Gruppen zusammen und überfielen ihre "Feinde" - die religiösen Fanatiker. Dies war nur eine Form des Widerstandes.

Wurde eine Frau ermordet, so hing das Bußgeld in vielen europäischen Ländern davon ab, ob eine Frau schwanger, gebärfähig oder alt war. Z.B. in Frankreich: 700Livres bei Tötung einer Schwangeren, 200 bei einer jungen Frau und nur 100 bei einer alten Frau.   Die Stellung der Frau hatte also insgesamt gesehen in Europa keinen besonders hohen Status. Er war hier auch nicht sehr viel besser als in den orientalischen Ländern oder zur Zeit der Antike in Griechenland oder Rom.  

 

Arbeitswelt - Allgemeiner Überblick  

Die wirtschaftliche und rechtliche Lage der Frauen im Mittelalter unterscheidet sich je nach ihrer Zugehörigkeit zu einer Gesellschaftsschicht.

Minderbemittelte alleinstehenden Frauen blieben wenige Möglichkeiten sich alleine durchs Leben zu schlagen. Adlige Frauen hatten, wie schon gesagt, die Möglichkeit ins Kloster zu gehen oder als Kammerjungfer, Erzieherin oder Dienstmagd an einem Hof zu arbeiten. Frauen in den Städten waren als Handwerkerinnen, Schankmägde oder Dienstbotinnen tätig. Armen Frauen blieb oft nichts anderes übrig, als sich als Marketenderin zu verdingen. Dennoch hatten Frauen im frühen Mittelalter in den Sippenverbänden, dörflichen „Wirtschaftseinheiten“ und adligen Familien in der Regel eine relativ starke Stellung.

Aus dem 14. bis 16. Jahrhundert haben wir einige Einblicke in das Leben berufstätiger Frauen. Es standen ihnen - wenn auch nur einer kleinen Minderheit - bereits einige Möglichkeiten offen, selbständig und unabhängig von einem Mann zu leben.

„Rechtliche Beschränkungen, die auf dem Land und in der Burg das Leben der Frauen kennzeichneten, galten nicht in der Stadt. So hafteten Städterinnen nicht mit ihrem Brautschatz für die Schulden ihrer Männer, sie konnten selbst über ihr eigenes verdientes Geld verfügen. Viele Frauen nutzten die Möglichkeit, einen eigenen Beruf auszuüben“. (die Frau im Mittelalter...)

Die berufstätige Frau war in der Stadt keine Besonderheit. Sie konnten sich als sich z.B. als Handwerkerinnen, Kauffrauen, "wissende Frauen", als Hebammen und "Ärztinnen" betätigten. Sie hatten allerdings keinen Zugang zu den Universitäten und mussten sich selbst ihr Wissen aneignen – z.B. Ärztinnen, Apothekerinnen und Chirurginnen.
Trotz vieler Hindernisse haben sich Frauen in sehr viele Berufssparten vorgewagt. Sie wurden in die Zünfte aufgenommen und gründeten eigene Frauenzünfte in den Berufen, in denen Frauen eindeutig dominierten.
  Auf dem Land sah es etwas anders aus, war es Bäuerinnen war doch fast unmöglich, den Boden allein zu bewirtschaften.  

Auch in der Kirche traten sie als Missionarinnen und Klostergründerinnen hervor. Da

Gelehrsamkeit eher als unmännlich galt, waren vor allem adelige Frauen Trägerinnen der Bildung.  

Gewerbliche Berufe:

Die Zünfte waren zwar vorwiegend eine Männerdomäne aber einige wenige Handwerksberufe waren auch Frauenberufe. Die Kölner Garnspinnerinnen waren eine Frauenzunft und in der Schweiz nahm die Zunft der Weber ebenfalls Frauen auf. Vor allem im Textilen Gewerbe arbeiteten viele Frauen z.B. als Schneiderin, Kürschnerin, Hutmacherin, Weberin usw. Auch als Bäckerinnen und Brauerinnen, sowie Seifensiederinnen und Kerzenzieherinnen konnten sie sich betätigen.

Frauen handelten oft mit den Waren, die ihre Männer herstellten. Es gibt außerdem zahlreiche Belege über Frauen, die im Groß- und Fernhandel z.B. als Unternehmerinnen tätig waren.

Ebenso arbeiteten Frauen im Metall- und Holzhandwerk; Nadeln, Schnallen, Ringe und Golddraht, Besen- und Bürsten, Matten und Körbe, Rosenkränze und Schlüssel wurden von ihnen hergestellt.

Es gab außerdem die Möglichkeit, dass Frauen das Geschäft ihres verstorbenen Mannes übernahmen, sie mussten es aber nach einem Jahr verkaufen oder an ihre erwachsenen Kinder abtreten, wenn sie selbst nicht in dem Beruf ausgebildet waren.

  Ein Autor schreibt gar, dass aus den Steuerbüchern der Stadt Frankfurt hervorgeht, dass im 14.Jhdt. 20-35% der Steuerpflichtigen Frauen waren.

Bäuerinnen:

Bäuerinnen leisten Schwerstarbeit um das Überleben der Familie zu sichern. Ihr Leben veränderte sich in den Jahrhunderten des Mittelalters kaum. Neben der Hausarbeit musste sie die Feldarbeit verrichten, Spinnen, Holz sammeln, Wasser holen und das Feuer schüren. Pflügen war zwar Männersache, die Frau aber musste den Ochsen antreiben, während der Mann die Furchen zog.

Zitat: "Arbeitsteilung" zwischen Mann und Frau galt als Prinzip. Es wird allerdings geschätzt, dass die Frauen ca. 14 1/2 Stunden pro Tag mit der Feldarbeit beschäftigt waren und zusätzlich die Arbeiten im Haus, im Stall und für die Familie erledigten. Die höhere Sterblichkeit von verheirateten Frauen "in den besten Jahren" dürfte ein Indiz für die körperliche Überbelastung der Frau sein.“ (Frau im Mittelalter.de)

Dirnen:
Viele Frauen, vor allem vom Lande, die Witwen oder alleinstehend waren, kamen oft mittellos in die Stadt. Sie gerieten dann häufig in die Lage, Arbeit in Schankhäusern annehmen zu müssen. Von hier zu einem Bordell war der Weg oft nicht mehr weit - und Bordelle gab es in den Städten viele.

Ihre Einrichtung sollte angeblich die einheimischen Frauen und Mädchen vor Vergewaltigung schützen.

„Prostitution wurde berufsmäßig betrieben, ledige Frauen auch aus anderen schlechtbezahlten Berufen, die einen Nebenverdienst brauchten, gingen dem Gewerbe nach. Diese Frauen bildeten innerhalb des Stadtwesens eine eigene Korporation. Nicht selten schickte man sie hohen Gästen zur Begrüßung entgegen, oder die Stadtältesten luden ihre Besucher kostenlos ins "Frauenhaus" (mit gänzlich anderer Bedeutung als heute) ein. Jedes Heer wurde von Dirnen begleitet, jede größere Männerversammlung zog sie scharenweise an.“http://www.frauenwissen.at   

Ihre Kleidung bestand aus einem gelben Kleid (gelb = Hurenfarbe) und einer roten Flügelhaube, so dass sie von jedem sofort als Dirne erkannt werden konnte.

Schwangerschaft

Schwangerschaft und Geburt waren im Mittelalter ein hoher Risikofaktor für die Frau. Die Zahl der Säuglingssterblichkeit war sehr hoch, aber auch die des Kindsbetttodes. Die Medizin der damaligen Zeit konnte bei Problemfällen nicht wirklich umfassend helfen. Dennoch lag die Zahl der Schwangerschaften einer Frau um ein vielfaches höher als heute. Die wenigsten Kinder erreichten jedoch das Erwachsenenalter. Kinderkrankheiten, schlechtes Wasser, schlechte Ernährung, Epidemien ließen viele schon vor dem 12. Lebensjahr sterben.   Schwangerschaften waren deshalb so häufig, da das Wissen um die Verhütung sehr unzureichend war. So wurden z.B. geschmolzenes Wachs, getrocknete Wurzeln, Eigelb, Walnussblätter oder gar Gras und Lumpen verwendet. Coiturs interruptus (vor dem Samenerguss unterbrochener Geschlechtsverkehr) gehörte ebenfalls dazu. Aber auch diese Methode ist nicht immer erfolgreich und so waren 18 Schwangerschaften keine Seltenheit. Hinzu kam, dass die Kirche Geschlechtsverkehr nur für Verheiratete und dann auch nur zur Fortpflanzung duldete. Alle Mittel der Verhütung wurden als Sünde verdammt – wie ja auch heute von der Katholischen Kirche noch immer.   Männern war es sogar bei Strafe verboten an einer Geburt teilzunehmen, dies galt auch für Ärzte. Ein italienischer Autor schrieb: „Da sich die Frau um diese Sache zu kümmern hat, besteht kein Grund sie ausführlich zu studieren.“   Geburtshilfe war also ausschließlich das Gebiet der Frauen, die aber nicht immer besonders geschult waren. Die Hebamme hatte auch die Aufgabe der Nottaufe, da das Kind sonst nur außerhalb des Friedhofes begraben werden durfte. Die Männer, die ja während der Geburt nicht anwesend sein durften, betrachteten das Tun der Hebammen oft mit Misstrauen. Schlimm war es, wenn das Kind bei der Geburt starb und der Mann es als Fehler der Hebamme betrachtete. Es wurde ihr manchmal sogar vorgeworfen mit dem Teufel im Bunde zu sein oder das Kind verhext zu haben. Starb eine geliebte Frau im Kindbett kam es durchaus zu ähnlichen Vorwürfen, was für die betreffende Hebamme auch eine Anklage als Hexe und die Verbrennung auf dem Scheiterhaufen bedeutete.   Im 13. Jh. schrieb der italienische Arzt A. von Villanova ein Buch mit Ratschlägen für Hebammen: Neugeborene sollten ähnliche Bedingungen wie im Mutterleib vorfinden: gedämpftes Licht, weiche Decken, Ruhe. Weitere Ratschläge ca. 2 Jahrhunderte später: der Bauch der Gebärenden sollte während der Wehen gedrückt werden, die damals beste Position zur Geburt war halb stehend, halb liegend. Es werden auch schon spezielle Gebärstühle erwähnt. Das Neugeborene soll täglich in lauwarmem Wasser gebadet und mit Öl massiert werden. Die Wickelmethode in Europa war noch sehr lange so, dass die Babys ganz fest eingebunden wurden, man glaubte so die Entwicklung der Gliedmaßen in richtige Bahnen zu lenken.   Das Stillen der Kinder übernahm bei Adligen oder reichen Frauen eine Amme. Manchmal wurden sie zu ihr nach Hause gebracht und lebten die ersten Jahre in deren Haushalt. Die Amme hatte folgende Aufgaben: Stillen, baden, einölen, massieren, die Babys in den Schlaf zu wiegen und ihnen das Sprechen beizubringen. Sie musste aber auch ihre eigenen Kinder weiterhin versorgen.   In Gesundheitsbüchern wurden auch Tipps fürs Stillen gegeben: Verzicht auf saure, salzhaltige und scharfe Speisen und vor allem von Knoblauch. Gestillt wurde meist 2 Jahre, danach wurde empfohlen, die Brustwarze mit einer bitteren Kräuterflüssigkeit zu bestreichen, um das Kind zu entwöhnen.      

Kleidung:  

Die Kleidung war ein Frage der Standeszugehörigkeit. Im frühen Mittelalter war sie auch bei Adligen und Reichen eher praktisch und zum Wärmen des Körpers gedacht.

Frauen wie Männer trugen die Cotte, ein langärmeliges Unterkleid mit geradem Schnitt, das bis zu den Füßen reichte und meist aus Leinen (bei Adligen auch aus Seide) genäht wurde. Darüber der Surcot, ein ärmeloses Überkleid oft mit einer Schleppe versehen (bei Adligen)

Die Mode aus Burgund war eng anliegend mit engem Mieder, vorn geschnürt. Der Rock war lang mit Schleppe, der Ausschnitt tief und darunter trug Frau einen Gürtel.

Als Kopfbedeckung trugen die verheirateten Frauen immer noch das Gebende oder dieRise, ein gefaltetes Kopftuch. Besonders in Burgund war der Hennin verbreitet. Das ist eine kegelförmige Haube, die oft einen Meter hoch war und mit Schleiern versehen wurde. Junge Frauen trugen oft Reifenblumen oder Bänderkränze. Als Schuhe verwendeten die Frauen ebenfalls Wendeschuhe. http://de.wikipedia.org/wiki/Kleidung_im_Mittelalter#Kleidung_der_Frau_2  

Unterwäsche war noch unbekannt. Die Kleidung der Reichen Frauen war im Schnitt ähnlich der ärmeren Frauen, es wurde nur mehr Wert auf die Qualität der Stoffe gelegt.

Das Haar wurde lang und geflochten getragen, der Kopf manchmal von Schleier oder Mantel bedeckt.   Den Frauen oblag es, die Stoffe für die Kleidung herzustellen. Herrinnen und Dienerinnen spannen und webten gemeinsam daran.  

Ab ca. dem 12. Jh. änderte sich in der Mode einiges. Kleideten sich die einfachen Frauen und vor allem die Bäuerinnen weiterhin eher praktisch denn modisch, so war dies bei den Frauen der Adligen und bald auch bei den Städterinnen doch anders.   Im 14. Jh. kamen auch Bürger durch den Aufschwung der Städte zu Reichtum und dies zeigte sich auch in ihrer Mode.   Die Stoffe wurden feiner, die Schnitte änderten sich. Stoffe aus dem Morgenland, die farbig und prächtig waren und im Gegensatz zu früheren schlichten Stoffen standen wurden bei den Reichen und Adligen immer mehr „en vogue“.   Weite Ärmel, Hauben und Schleier wurden in verschiedenen Varianten getragen. Der Schnitt wurde – ganz nach französischem Vorbild - Körperbetont und der Ausschnitt am Dekolleté immer größer.   Die Ärmel waren ein modisches Accessoire und wurden mit Bändern oder Knöpfen befestigt – sie reichten manchmal sogar bis zum Boden. Zu den langen weiten Ärmeln schrieb gar ein italienischer Autor: „man kann dein Glas und keinen Bissen vom Tisch nehmen, ohne seinen Ärmel am Tischtuch zu beschmutzen“. Da solche Kleidung nicht zur täglichen Arbeit taugte, wurde sie auch nur von den Reichen und Adligen getragen. Parfümierte Handschuhe oder Taschentücher, Fächer aus Straußenfedern, goldene oder silberne Hals- und Hüftketten gehörten zu den Accessoires der Frauen.   Die Hauben der verheirateten Frauen bedeckten das Haar und wurden mit einem enganliegenden Band unter dem Kinn befestigt. Ledige Frauen trugen ihr Haar zu einem Zopf geflochten, der sichtbar an einer Seite herunterhing.   Im späten Mittelalter wurde bei den Frauen ein kegelförmiger Hut Mode, der Hennin, der bis zu 1m hoch war.   Die Moden wechselten bis ins späte Mittelalter immer wieder, oft waren sie sogar ziemlich unbequem.

„Kleidung war wichtiges Attribut weiblicher Repräsentanz, kennzeichnete ihre Stellung, ihren Beruf, machte sie aber auch zum Objekt der Betrachtung.“

(Gyburc Rennewart)      Da die Kleidung aber auch den Stand kennzeichnen sollte, wurden von Fürsten und hohen Würdenträgern Kleiderordnungen erlassen, die regional etwas unterschiedlich waren. Mehr hierüber können Sie in dem Buch „Reise in die Vergangenheit – Lebensalltag im Mittelalter“ – Verlag Das Beste / Reader’s Digest ISBN- 3 87070 524 8 auf den Seiten 64 und 65 nachlesen.      

Kosmetik  

Blässe war das gewünschte Ideal der Frauen. Dennoch betonten sie ihre Konturen durch Schminke, die allerdings nicht immer besonders verträglich war.   Farbstoffe wurden durch Pflanzen gewonnen, denen z.T. zerstoßene Insekten beigemischt wurden. Mit Wasser verdünnt entstand eine Paste, die gut aufgetragen werden konnte. Gesichtspackungen wurden etwa aus zerhackten Kröten gewonnen, eine Haarkur bereitete Frau aus Weinhefe gemischt mit Honig und dann Kreuzkümmelsamen, Hobelspäne, Safran und Öl. Gegen Läuse sollte ein Mischung aus 3 Essl. Lorbeeröl, Mandelöl,  altes Schweineschmalz, Pulver aus getrocknetem scharfen Rittersporn und etwas Saft von Reinfarn und etwas Schwefelsalz helfen. Vorher sollte das Haar mit Essig gewaschen werden. Es gab aber auch die Mischung aus Öl und Quecksilber, die nicht gerade ungefährlich war.     Aus „Reise in die Vergangenheit – Lebensalltag im Mittelalter“:     Rat eines Mönchs an einen jungen Mann im 12. Jh.: „Geselle dich nicht zu den Zuhältern, mische dich nicht unter die Zecher in den Wirtshäusern, meide das Würfeln und andere Geldspiele, denn die Zahl der Blutsauger ist unermesslich. Schauspieler, Possenreißer, Mohren, Schönlinge, Weichlinge, Schmeichler und Knabenschänder, singende und tanzende Mädchen, Bauchtänzerinnen, Quacksalber, Wahrsager, Nachtschwärmer, Erpresser und Bettler – all dieses Gesindel füllt die Häuser.“  

Literaturnachweis:

Geschichte der Familie  Band 2: Mittelalter, ISBN 3-593-35559-0

Reise in die Vergangenheit – Lebensalltag im Mittelalter – Verlag Das Beste / Reader’s Digest ISBN- 3 87070 524 8  

http://www.das-mittelalter.de/frauen_im_mittelalter.htm  

http://de.wikipedia.org/wiki/Kleidung_im_Mittelalter#Kleidung_der_Frau_2  

http://www.frauenwissen.at      

Die Frau im Mittelalter  (Artikel in der Zeitung des Vereins „Kramer Zunft und Kurtzweyl“ ) Seite 1

http://mittelalter.kzk.de/frau-im-mittelalter.php