Orientalischer Tanz - Quo
vadis?
Inhalt: Vorwort, Beginn, 90er Jahre, bis 2006, Quo Vadis, Technik (el sirr), Tanzsprache, Tanz als sportliche Betätigung, Wettbewerbe?, Resumé
Die Geschichte des Orientalischen Tanzes in Deutschland ist
doch etwas komplexer, daher ist es nicht möglich, sie in einem Artikel bis ins
Detail abzuhandeln. Ich beschränke mich hier auf die wesentlichen Punkte, würde
mich aber über Informationen und postings von Euch sehr freuen, um evtl. später
einmal ausführlicher darüber zu schreiben (siehe auch Ende des Artikels).
Orientalischer Tanz existiert in Deutschland seit mehr als 25
Jahren. Von amerikanischen Tanzlehrerinnen erstmals in Kasernen in Deutschland
unterrichtet, hat er bis heute einen beachtlichen Aufschwung genommen.
Zu Beginn war es noch ein richtiges Abenteuer Zubehör, Musik
und Unterricht ausfindig zu machen. Ich kann mich erinnern Anfang 1979/1980 zum
ersten Mal in einem Bericht im Fernsehen von Unterricht in Orientalischem Tanz
in Deutschland gehört zu haben – damals in Frankfurt und Hamburg. Ich wohnte
zu dieser Zeit in Saarbrücken und dort war es nicht möglich an Unterricht
heran zu kommen.
Auch nachdem ich 1982 nach Buxtehude zog, dauerte es noch bis
1989 bis ich die Möglichkeit fand, Unterricht zu nehmen. Ich hatte versucht
herauszufinden wo in Hamburg unterrichtet wird, aber wer nicht dort wohnte,
hatte kaum Gelegenheit eine Lehrerin zu finden und Internet gab es damals noch
nicht – ach wie viel einfacher ist es, dank moderner Technik, doch
heutzutage!!.
Bis Anfang der 90er war es auch ziemlich schwierig an Musik
oder Kostüme und Zubehör heran zu kommen, wenn man/Frau nicht gerade Urlaub in
Kairo oder Istanbul machte.
So waren wir anfangs gezwungen Musik, die eine gefunden
hatte, „100x“ zu kopieren. Die ohnehin schlechte Aufnahmequalität der
Original-Kassetten wurde dadurch auch nicht gerade verbessert. Wir nähten, fädelten
Perlen auf und bestickten BH und Gürtel oft monatelang, um ein Kostüm zu
besitzen. Viel Liebe wurde ins Detail gesteckt – und in den Tanz, der damals
noch etwas besonderes, etwas exotisches war.
Wer die Möglichkeit fand irgendwo Unterricht zu finden, gab
das Gelernte gleich den Freundinnen weiter und so entwickelten sich die ersten
Gruppen, die dann auch mal den Weg zu öffentlichen Aufführungen fanden. Bei
Festen tanzten alle mit und hatten Freude daran, sich zu orientalischer Musik zu
bewegen – im Gegensatz zu heute, wo viele sich lieber „bespaßen lassen“.
Da der Tanz so andersartig und neu war und das Publikum keine
Ahnung hatte, was wirklich guter Orientalischer Tanz ist, wurde auch schon
honoriert, wenn eine lediglich Shimmies tanzte. Für Laien sind die
Zitterbewegungen eben etwas verblüffendes. Das Publikum hatte von Tanztechnik
keine Ahnung, da es nur selten die Möglichkeit gab, unterschiedliche Tänzerinnen
zu vergleichen. Dies änderte sich erst mit der Zeit.
In den großen Städten etablierten sich langsam die ersten
Studios, auf dem Land war es aber noch ziemlich lange schwierig, an
qualifizierten Unterricht heran zu kommen.
Auch das Fernsehen wurde langsam aufmerksam und vor allem zu
Beginn der 90er Jahre gab es mehrere Berichte über Orientalischen Tanz und TänzerInnen.
Leider wurde nicht selten darin das Anmachklischee bedient und selbst wenn eine
seriöse Tänzerin versuchte dies zu verhindern, wurden Aussagen so zusammen
geschnitten und aus dem eigentlichen Kontext heraus genommen, dass sie doch
wieder ins Klischee passten.
Dies spiegelte auch den Stellenwert des Orientalischen Tanzes
wieder. Zumal vor allem Touristen in der Türkei mit genau diesem Klischee
bedient wurden. Sogar eins der ersten Bücher über Orientalischen Tanz, in
Amerika erschienen, deutete darauf hin: „Make your husband a Sultan“.
Mit der „HALIMA“ erschien 1989 zum ersten Mal eine
Zeitschrift für Orientalischen Tanz. Zu Beginn noch als Kopie, später als
richtiges Print-Produkt. Tanz Oriental und Karavane (existiert nicht mehr)
folgten, dann später das Orient Magazin.
Die ersten Zubehör-Anbieter machten uns TänzerInnen das
Leben nun etwas leichter. Perlfransen konnten am Meter gekauft werden, ja ganze
Kostüme wurden bald angeboten. Die passende Musik zu finden war nun kein
Problem mehr und die schlechten Kassettenaufnahmen wurden ab Mitte der 90er von
CDs abgelöst.
Das Geschäft mit den Auftritten begann zu boomen. Kaum eine
Feier, auf der nicht eine Bauchtänzerin auftrat – egal, ob sie nun wirklich
tanzen konnte und gerade mal 10 Stunden Unterricht genossen hatte.
Allerdings bemerkten die Gäste dann doch auch langsam die
Unterschiede. So wurde mir mal gesagt: „Also, ich hab das ja schon mal gesehen
– aber da liegen ja Welten dazwischen“ oder auf einer Hochzeit von einer älteren
Dame: „ich hab’ ja gedacht, das passt nicht zu solch einer Hochzeit, aber
Sie haben ja so zauberhaft und ästhetisch getanzt....“
Der Orientalische Tanz bekam langsam einen anderen
Stellenwert in der Gesellschaft.
1994 initiierte Sigrid Brenner ein Treffen gleichgesinnter
Frauen, die nach vielen Stunden intensiver Arbeit den Bundesverband für
Orientalischen Tanz gründeten, ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des
Orientalischen Tanzes in Deutschland. Erstmals schlossen sich Tänzerinnen
zusammen, die alle die gleiche Intension hatten: Sich gegenseitig zu unterstützen,
den Tanz zu fördern und das Niveau zu heben. Sehr schnell erreichte er eine
Mitgliedszahl von 600, was zeigte, dass es längst überfällig war, eine solche
Institution zu gründen.
(Ich möchte in diesem Artikel nicht weiter ausführlich über
den Verband berichten, wer sich dafür interessiert kann dies auf der homepage
des Verbandes www.bv-orienttanz.de
unter „Der Verband“ nachlesen)
Was das Zubehör angeht, herrschten im Vergleich zum Beginn,
bald paradiesische Zustände. Basare, wohin Frau schaute, Unterrichtsangebote in
immer größerer Zahl. Mit der „Orienta“ in Frankfurt war die erste Messe im
Bereich Orientalischer Tanz geboren, gefolgt von der World of Orient in Hannvoer
sowie der Messe des Orient Magazins. Etwas später kamen Bazar Oriental und
Orient-Le hinzu. Es werden immer mehr – verteilt über ganz Deutschland.
Das Internet ist uns Tänzer/n/innen heute ebenfalls sehr
behilflich. Ob Informationen, Verkäufer, Tanz-Zeitschriften oder TänzerInnen
gesucht werden – das Angebot ist sehr vielfältig. Und auch Informationen über
das Ausland sind uns so sofort zugänglich. Die Seiten werden immer zahlreicher
und es ist sehr einfach geworden an Infos heran zu kommen.
Auch auf den Unterricht wurde langsam immer mehr Wert gelegt.
Seit ca. Mitte der 90er kann man die ersten Ausbildungs- und/oder
Weiterbildungskonzepte buchen – mit oder ohne Abschlussdiplom oder auch
Zertifikat.
Die ersten waren meines Wissens (Erinnerung) hierbei Anatha
aus Frankfurt, Momo Kadous (damals noch Aachen) und Gamal Seif aus Köln.
BATO, das Weiterbildungsprojekt des Bundesverbandes 1995
„geboren“ ist eines davon und inzwischen
werden von etlichen namhaften Tänzer/n/innen viele Weiterbildungen angeboten
– alle mit dem Gedanken, das Niveau des Orientalischen Tanzes zu heben.
Eine fundierte Aus- sprich Fortbildung wird nun immer
wichtiger. Frauen, die sich hierfür entscheiden, haben eine große Auswahl von
Möglichkeiten bundesweit, die auch preislich sehr unterschiedlich sind.
Neben dem Bundesverband mit seinem BATO-Weiterbildungsprojekt,
bietet nun der Deutsche Tanzsport-Verband einen Übungsleiterschein für
Orientalischen Tanz an und auch ESTODA ist immer weiter verbreitet. Jüngstes
Kind im Reigen ist Said el Amir’s Jom-dance Academy. Auch einzelne bekannte Tänzerinnen
(wie z.B. Reyhan, Manis und Havva engagieren sich in diesem Bereich).
Alle Dozenten und Institutionen, die eine solche
Aus-/Weiterbildung anbieten, haben ein gemeinsames Ziel: die Verbesserung und
die Sicherung der Tanz-Qualität.
Eine fundierte Ausbildung in Tanztechnik, Rhythmus- und
Musikkunde, Choreografielehre, Kostümkunde, sowie kulturellem Hintergrundwissen
(um vielleicht mal die wichtigsten zu nennen) ist auf jeden Fall der Grundstock
für guten Tanz und gute Qualität. Hier setzen die verschiedenen Projekte an;
wobei die Meinungen über Sinn und Unsinn solcher Bildung weit auseinander
gehen.
Allerdings ist die Tendenz diese positiv zu sehen inzwischen
größer als noch vor 4 Jahren, da sich alle darüber einig sind, das Niveau des
Tanzes heben zu wollen.
Es ist jedoch auch eine Diskussion darüber entbrannt, wer
denn wohl berechtigt sei diese Aus/Weiterbildungen zu leiten. Woher haben die
ersten Dozent/en/innen ihr Wissen, wer hat sie ausgebildet. Gute Tänzer/innen
sind nicht immer auch ein Garant für guten Unterricht und umgekehrt.
Aber es ist wohl eher so die Frage: wer war zuerst da, das Ei
oder die Henne – wir werden dies nicht so schnell lösen können.
Allerdings sollten bei eine/r/m Lehrenden
Unterrichtserfahrung und auch Kenntnisse in Didaktik und Methodik sowie etwas
Psychologie auf jeden Fall vorhanden sein.
(Was die Didaktik und Methodik angeht ist übrigens gerade
ein sehr gutes Buch von Miriam Missoura Marzetta (Schweiz) heraus gebracht
worden. Sie leitet das ZeoT, Zentrum für Orientalische Tanzkunst in Zürich)
Orientalischer Tanz soll den gleichen Stellenwert erhalten,
den andere Tanzarten auch genießen. Dies ist das einheitliche Ziel aller, die
sich für den Tanz mit aller Kraft einsetzen.
Hierdurch wird auch an das Auftrittsniveau immer größere
Anforderungen gestellt. Schülerinnen-Shows,
zu denen manchmal auch Profitänzerinnen engagiert wurden, hatten zu Beginn ein
gänzlich anderes Ansehen beim Publikum als heute.
Das Bestreben, den Orientalischen Tanz auf Bühnenniveau zu
heben, um ihm so auch mehr Ansehen in der Gesellschaft zu verleihen, hat
inzwischen zu sehr guten Bühnenproduktionen geführt, die nicht nur uns TänzerInnen
ansprechen, sondern auch das Publikum, das einfach Freude an dieser Tanzrichtung
hat.
Immer öfter werden Inszenierungen gezeigt, die mehr sind als
nur eine Orientalische Tanzshow. Elemente anderer Tanzrichtungen und Bühnenknowhow
werden so integriert, dass eine ganz eigene Show entstehen kann.
Mehr und mehr wird allerdings auch darüber diskutiert was
das alles soll, wohin es führen soll.
In den Ursprungsländern des Tanzes macht man sich da nicht
so viele Gedanken über das Warum und Woher. Ist es typisch deutsch? Sind wir zu
gründlich? Schadet es dem Tanz oder hilft es ihm?
Da wir Deutschen so gründlich sind und es ganz genau wissen
wollen haben wir sehr viel geforscht und daher im Laufe der Jahre auch immer
mehr über diesen Tanz erfahren.
Auch die Rhythmen werden genau auseinander gepflückt und
analysiert – leider ist es jedoch sehr schwierig, an genaueste Informationen
heran zu kommen, da manche Musiker genau das Gegenteil vom dem erzählen, das
andere vorher gesagt haben - und jeder besteht darauf Recht zu haben.
Sicherlich wirkt sich dieses Streben nach
Informationen und Perfektion aber auch in den Ursprungsländern aus.
Man könnte folgende These hierzu
aufstellen: Es entsteht so sogar
eine Wiederbefruchtung und vieles was sonst vielleicht dort sogar verloren
gegangen wäre, könnte auf dieser Art und Weise erhalten werden.
Dies wäre sicherlich eine Diskussion wert,
was denken die LeserInnen hierüber??
Technik und
el sirr
Auf saubere Technik wird heute mehr Wert denn je gelegt, was
ja auch richtig ist. Allerdings besteht auch die Gefahr den Tanz total zu
technisieren. Das wäre sehr schade, da er so seine Seele verlieren würde.
Viele sagen: vor lauter Technik wird oft das Herz des Tanzes
vergessen, nur wenn das Herz beim Tanz dabei ist, ist er aussagekräftig, stimmt
die Ausstrahlung, ist er authentisch (im Sinne von: zur Persönlichkeit der Tänzerin
passend).
Anmut und Weiblichkeit, el sirr (wie es die Orientalen nennen
= das Geheimnis) sind wesentliche Bestandteile des Tanzes – ebenso wie eine
saubere Technik.
Wir müssen unterscheiden, wofür sich eine Tänzerin oder Tänzer
entscheidet:
Es existieren im Internet seit 2000 Umfragen zu den
verschiedensten Themen. Sie sind sicherlich nicht repräsentativ da nur wenige
(im Vergleich zu allen Tanzenden) mitgemacht haben. Aber von denen, die sich äußern,
sieht die z.B. die Mehrzahl im Tanz die Möglichkeit, sich gut zu fühlen und es
wird auch ein positives Lebensgefühl damit verbunden sowie ein Ausgleich zum
Alltagsstress. Auftritte stehen bei der Mehrheit nicht unbedingt an erster
Stelle.
Demzufolge sind hierin natürlich auch die Gründe
Orientalisch zu tanzen zu finden.
Das heißt, die Mehrheit strebt wohl nicht die Bühnenkarriere
an und so sind dann bei Aufführungen dieser TänzerInnen andere Maßstäbe
anzulegen.
Den Unterschieden müssen wir in der Beurteilung gerecht
werden und unsere Maßstäbe diesen anpassen. Auf der anderen Seite passiert es
jedoch auch sehr häufig, dass sich die TänzerInnen selbst niveaumäßig nicht
richtig einschätzen können, was zwangsläufig zu Enttäuschungen auf beiden
Seiten (Schüler/innen/Dozent/in oder Darstellend/e/em und Publikum) führen
muss.
Der Druck Qualität abliefern zu müssen, lässt manche
leider auch zum Mittel des Ideenklaus greifen. Dies ist jedoch überhaupt keine
Möglichkeit sondern ist eher dazu angetan, diejenigen der allgemeinen
Verachtung der Szene auszusetzen. Es ist außerdem ein Armutszeugnis, das sich
derjenige, der klaut, selber ausstellt.
Allerdings schreibt Abeer mir hierzu folgendes: (“was heißt
Ideenklau? Tänzerinnen sind keine Choreographen und umgekehrt, normal ist, dass
die Tänzerinnen d. Choreographien kaufen i. WS, Privatunterricht oder durch
gekaufte Videos usw.
Ich habe ein Problem mit dieser Bezeichnung “klauen“.
Alle Tänzerinnen in Ägypten bekommen von Profi-Choreographen deren getanzte
Choreographien. Und ich habe dort (in Ägypten) nie gehört, dass z.B. Mahmoud
Reda der Choreograph von Samya Gamal ist, man liest den Namen des Choreographen
im Vorspann des Films usw. In unsere Szene fehlt einfach, den Namen des
Choreographen zu nennen, wie es sich gehören
würde.)
Ich meine hier nicht, dass bei einem Dozenten gelernte
Choreographien übernommen werden ohne den Dozenten zu nennen – was ja auch
schon ein Unding ist – nein sondern „Klau“ als abkupfern von
Choreographien von Videos oder DVDs ohne
dass die Dozenten davon wissen.
Tanzsprache:
Es existiert im Orientalischen Tanz keine allgemeingültige
einheitliche Tanzsprache, wie z.B. im Ballett. Diese gibt es übrigens selbst in
den Ursprungsländern nicht.
Hier stellt sich wiederum die Frage – brauchen wir es
wirklich? Sind wir wieder zu gründlich oder machen wir es uns damit einfach nur
leichter?
Da der Tanz anfangs von Amerikanerinnen unterrichtet wurde,
haben sich für die Grundbewegungen englische Worte eingebürgert, z.B. Drop (Hipdrop)
oder Shimmy, Camelwalk, Backbend – dem gegenüber stehen jedoch unzählige
Bewegungen, die keinen einheitlichen Namen haben. Beckenwelle, Beckenkreis, Hüftschwung
sind noch allgemein bekannt aber schon der Grundschritt hat viele Namen, je
nachdem wo Frau ihn kennen gelernt hat. (Arabischer Grundschritt, Viererschritt,
usw.)
Schon in den 90ern gab es Bestrebungen ein einheitliches
Tanzvokabular zu schaffen. Dies erwies sich als sehr schwierig, wurde doch schon
sehr lange allein darüber diskutiert, was „hüftbreit“ bedeutet.
Heute wurde erneut der Versuch gestartet etwas Licht in den
Dschungel der Benennungen zu bringen. Der Arbeitskreis „Nomenklatur“ um die
Tänzerin Djamila bemüht sich hierum seit längerem. Auch hier ist das Internet
sehr hilfreich. Auf der homepage http://www.ot-nomenklatur.de
kann sich jede mit diesem Thema auseinander setzen und Vorschläge
unterbreiten oder abstimmen (auch die Halima hatte jüngst darüber berichtet).
Auf der homepage ist zu lesen, dass die Verwirklichung wohl
noch Jahre dauern könnte – sie muss sich erst einmal durchsetzen. Bisher
wurden 3 Stufen entwickelt, die „als Basisvorgehensweise“ angesehen werden können“.
Sind wir gespannt wie sich dies weiterentwickeln wird – auch Ihr könnt auf
dieser Seite mit dazu beitragen.
Wie geht es nun weiter? (vor allem in diesem Bereich
würde ich mich über reges feedback freuen)
Ich glaube, unser Tanz entwickelt sich heute in verschiedene
Richtungen. Wer Aussagen im Internet verfolgt findet heute auch immer
mehr andere Tendenzen des Tanzes (im Gegensatz zu denen am Anfang beschriebenen,
in denen Tanz, Persönlichkeit und kultureller Hintergrund nicht zu trennen
sind).
Der Tanz wird hier nicht im Zusammenhang mit der Kultur
gesehen sondern eher als Form einer eigenständigen Tanzrichtung und bei manchen
auch nur als Mittel um den Körper geschmeidig zu halten. Ich weiß nicht so
genau – aber vielleicht ist es eine logische Folge dessen, dass auch immer
mehr Sportvereine Orientalischen Tanz in ihrem Angebotskatalog haben. Und es ist
ja auch unbestreitbar, dass er so etwas wie das non plus ultra für den Körper
darstellt. Ich selbst bin hier das beste Beispiel, ohne diesen Tanz würde ich
kaum noch sitzen, gehen, stehen können. Er ist wirklich ein Lebenselexir das
u.a. die Muskeln stärkt.
Einige Aussagen gehen sogar soweit zu sagen, dass der
Orientalische Tanz nur dann allgemein anerkannt werden kann, wenn er auch
wissenschaftlich erforscht wird. Gemeint sind hiermit Forschungen inwieweit er
gesundheitlich genutzt werden kann und inwieweit er zur Gesundheit beiträgt.
Sogar Sportmediziner, z.B. der Hochschule Köln befassen sich inzwischen mit dem
Thema und es erscheinen nun auch Bücher, die sich mit diesem Thema befassen.
Orientalischer Tanz als Fitness wurde 2005 von Nadja Abdel
Farag (die sich ja nicht gerade als Orientalische Tänzerin einen Namen gemacht
hat) als Video an die Frau gebracht - allerdings in sehr schlechter Manier und mäßigem
Erfolg. 2006 erschien ein Büchlein mit dem Titel „Orientic Gym“. Der Tanz
als solcher tritt hierbei etwas in den Hintergrund, es geht hauptsächlich um
die Bewegungen und ihre Auswirkung auf die Beweglichkeit.
Eine weitere logische Folge ist dann vielleicht auch was sich
hieraus noch entwickeln kann:
Zitate aus dem Forum Orient4all:
„Ich denke, auf lange Sicht werden wir ohne eine
Organisation ähnlich den Tanzsportverbänden mit ihren Ausbildungen und
"staatlich" anerkannten Geschichten am Image des OT wenig machen können....„
Werbetechnisch gesehen, bezogen auf Texte in Programmen
und auf Internetseiten, denke ich, dass sich die Frauen eher erst einmal für
die "Sportart OT" als die "Kunstform OT" interessieren.“
Ein weiteres Zitat „Wettbewerbe und Meisterschaften - das wäre
doch die logische Folge der Eingliederung in die "anerkannten"
Tanzsportarten, da gibt es das alles.“
Wettbewerbe gibt es schon etwas länger, mehr oder weniger
bekannt. Den ersten an den ich mich erinnere, wurde von einem Tanzzubehörladen
in Hannover (Ahmed Inangil)
ausgerichtet (Anfang der 90er). Die
Tänzerinnen, die dort teilnahmen, waren – mit Ausnahme von dreien – eher
schlechte Tänzerinnen. Die beiden erstplatzierten konnten sich aber später
auch in der Tanzszene gut durchsetzen.
Bei
Taorie, wird sogar die deutsche Meisterin im Orientalischen Tanz gekürt.
Dem
ADTV (ein anerkannter Tanzsportverband) ist seit einiger Zeit auch der Bereich
Orientalischer Tanz angegliedert – allerdings hat auch er sich den dort üblichen
Wettbewerben zu stellen und solche zu veranstalten.
Wettbewerbe werden wohl eher von Tänzerinnen angenommen, die
sich noch etablieren wollen. Gestandene Stars der Szene werden höchstens in der
Jury mitwirken als sich selbst der Jury zu stellen, da sie es nicht mehr nötig
haben.
Es ist nun die Frage – sind Tänzerinnen die solche
Wettbewerbe gewonnen haben besser – oder anders herum gefragt: sind die
Chancen für die tänzerische Laufbahn dann besser als ohne Wettbewerbstitel?
Wie dem auch sei – auf lange Sicht werden sie wohl eher
mehr werden als weniger, warum auch immer. Über eine Diskussion hierüber mit
den LeserInnen würde ich mich sehr freuen.
Der Orientalische Tanz hat sich in den über 25 Jahren in
denen er in Deutschland existiert schon sehr verändert. Von zaghaften Anfängen
ohne großes Wissen über das woher und warum bis hin zum heutigen
Perfektionierungswillen.
Aber es war auch ein „immer höher, immer größer, immer
weiter“ zu beobachten, akrobatische Elemente hielten Einzug.
Ein Beispiel ist der Säbeltanz: erst mit einem Säbel, dann mit 2 und
schlussendlich (?? Oder etwa nicht ??) mit 3en. Vor allem hier lässt sich auch
Akrobatik wunderbar einbringen -
und das Publikum staunt.
Eine ähnliche Tendenz ist auch beim Schleiertanz zu
beobachten, auch hier werden schon Tänzerinnen gesehen, die gleichzeitig 3
Schleier „betanzen“.
Ich streite nicht ab, dass es, wenn gut getanzt, eine
Augenweide sein kann. Allerdings habe ich im letzen Jahr die Show „Al Tariq“
von Sylvianne Campell und Alexandra Herrfurth (ehemalige Schülerinnen der
Tanzschule Suraya Hilal) gesehen. Sie hat mich sehr bewegt, wurde doch ausschließlich
Baladi getanzt. Hinterher mochte man wirklich sagen: „Back to the roots“ –
einfach schön.
Die Tendenz ist wohl so, dass sich die Wege im Tanz trennen
werden.
Es haben sich also im Laufe dieses Artikels einige Fragen
aufgetan. Wie seht Ihr die Entwicklung?
Hier
noch mal im Überblick
Über
viele Beiträge von Euch würde ich mich sehr freuen.