Orientalischer Tanz - Quo vadis?   Von Nabila Shams El Din (Achtung lang!!)

Inhalt: Vorwort, Beginn, 90er Jahre, bis 2006, Quo Vadis, Technik (el sirr), Tanzsprache, Tanz als sportliche Betätigung, Wettbewerbe?, Resumé

Vorwort

Die Geschichte des Orientalischen Tanzes in Deutschland ist doch etwas komplexer, daher ist es nicht möglich, sie in einem Artikel bis ins Detail abzuhandeln. Ich beschränke mich hier auf die wesentlichen Punkte, würde mich aber über Informationen und postings von Euch sehr freuen, um evtl. später einmal ausführlicher darüber zu schreiben (siehe auch Ende des Artikels).

Der Beginn – aus meiner ganz persönlichen Sicht

Orientalischer Tanz existiert in Deutschland seit mehr als 25 Jahren. Von amerikanischen Tanzlehrerinnen erstmals in Kasernen in Deutschland unterrichtet, hat er bis heute einen beachtlichen Aufschwung genommen.

Zu Beginn war es noch ein richtiges Abenteuer Zubehör, Musik und Unterricht ausfindig zu machen. Ich kann mich erinnern Anfang 1979/1980 zum ersten Mal in einem Bericht im Fernsehen von Unterricht in Orientalischem Tanz in Deutschland gehört zu haben – damals in Frankfurt und Hamburg. Ich wohnte zu dieser Zeit in Saarbrücken und dort war es nicht möglich an Unterricht heran zu kommen.

Auch nachdem ich 1982 nach Buxtehude zog, dauerte es noch bis 1989 bis ich die Möglichkeit fand, Unterricht zu nehmen. Ich hatte versucht herauszufinden wo in Hamburg unterrichtet wird, aber wer nicht dort wohnte, hatte kaum Gelegenheit eine Lehrerin zu finden und Internet gab es damals noch nicht – ach wie viel einfacher ist es, dank moderner Technik, doch heutzutage!!.

Bis Anfang der 90er war es auch ziemlich schwierig an Musik oder Kostüme und Zubehör heran zu kommen, wenn man/Frau nicht gerade Urlaub in Kairo oder Istanbul machte.

So waren wir anfangs gezwungen Musik, die eine gefunden hatte, „100x“ zu kopieren. Die ohnehin schlechte Aufnahmequalität der Original-Kassetten wurde dadurch auch nicht gerade verbessert. Wir nähten, fädelten Perlen auf und bestickten BH und Gürtel oft monatelang, um ein Kostüm zu besitzen. Viel Liebe wurde ins Detail gesteckt – und in den Tanz, der damals noch etwas besonderes, etwas exotisches war.

Wer die Möglichkeit fand irgendwo Unterricht zu finden, gab das Gelernte gleich den Freundinnen weiter und so entwickelten sich die ersten Gruppen, die dann auch mal den Weg zu öffentlichen Aufführungen fanden. Bei Festen tanzten alle mit und hatten Freude daran, sich zu orientalischer Musik zu bewegen – im Gegensatz zu heute, wo viele sich lieber „bespaßen lassen“. 

Da der Tanz so andersartig und neu war und das Publikum keine Ahnung hatte, was wirklich guter Orientalischer Tanz ist, wurde auch schon honoriert, wenn eine lediglich Shimmies tanzte. Für Laien sind die Zitterbewegungen eben etwas verblüffendes. Das Publikum hatte von Tanztechnik keine Ahnung, da es nur selten die Möglichkeit gab, unterschiedliche Tänzerinnen zu vergleichen. Dies änderte sich erst mit der Zeit.

In den großen Städten etablierten sich langsam die ersten Studios, auf dem Land war es aber noch ziemlich lange schwierig, an qualifizierten Unterricht heran zu kommen.

Auch das Fernsehen wurde langsam aufmerksam und vor allem zu Beginn der 90er Jahre gab es mehrere Berichte über Orientalischen Tanz und TänzerInnen. Leider wurde nicht selten darin das Anmachklischee bedient und selbst wenn eine seriöse Tänzerin versuchte dies zu verhindern, wurden Aussagen so zusammen geschnitten und aus dem eigentlichen Kontext heraus genommen, dass sie doch wieder ins Klischee passten.

Dies spiegelte auch den Stellenwert des Orientalischen Tanzes wieder. Zumal vor allem Touristen in der Türkei mit genau diesem Klischee bedient wurden. Sogar eins der ersten Bücher über Orientalischen Tanz, in Amerika erschienen, deutete darauf hin: „Make your husband a Sultan“.

Mit der „HALIMA“ erschien 1989 zum ersten Mal eine Zeitschrift für Orientalischen Tanz. Zu Beginn noch als Kopie, später als richtiges Print-Produkt. Tanz Oriental und Karavane (existiert nicht mehr) folgten, dann später das Orient Magazin.

 

Die 90er Jahre

Die ersten Zubehör-Anbieter machten uns TänzerInnen das Leben nun etwas leichter. Perlfransen konnten am Meter gekauft werden, ja ganze Kostüme wurden bald angeboten. Die passende Musik zu finden war nun kein Problem mehr und die schlechten Kassettenaufnahmen wurden ab Mitte der 90er von CDs abgelöst.

Das Geschäft mit den Auftritten begann zu boomen. Kaum eine Feier, auf der nicht eine Bauchtänzerin auftrat – egal, ob sie nun wirklich tanzen konnte und gerade mal 10 Stunden Unterricht genossen hatte.

Allerdings bemerkten die Gäste dann doch auch langsam die Unterschiede. So wurde mir mal gesagt: „Also, ich hab das ja schon mal gesehen – aber da liegen ja Welten dazwischen“ oder auf einer Hochzeit von einer älteren Dame: „ich hab’ ja gedacht, das passt nicht zu solch einer Hochzeit, aber Sie haben ja so zauberhaft und ästhetisch getanzt....“

Der Orientalische Tanz bekam langsam einen anderen Stellenwert in der Gesellschaft.

1994 initiierte Sigrid Brenner ein Treffen gleichgesinnter Frauen, die nach vielen Stunden intensiver Arbeit den Bundesverband für Orientalischen Tanz gründeten, ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Orientalischen Tanzes in Deutschland. Erstmals schlossen sich Tänzerinnen zusammen, die alle die gleiche Intension hatten: Sich gegenseitig zu unterstützen, den Tanz zu fördern und das Niveau zu heben. Sehr schnell erreichte er eine Mitgliedszahl von 600, was zeigte, dass es längst überfällig war, eine solche Institution zu gründen.

(Ich möchte in diesem Artikel nicht weiter ausführlich über den Verband berichten, wer sich dafür interessiert kann dies auf der homepage des Verbandes www.bv-orienttanz.de  unter „Der Verband“ nachlesen)

Was das Zubehör angeht, herrschten im Vergleich zum Beginn, bald paradiesische Zustände. Basare, wohin Frau schaute, Unterrichtsangebote in immer größerer Zahl. Mit der „Orienta“ in Frankfurt war die erste Messe im Bereich Orientalischer Tanz geboren, gefolgt von der World of Orient in Hannvoer sowie der Messe des Orient Magazins. Etwas später kamen Bazar Oriental und Orient-Le hinzu. Es werden immer mehr – verteilt über ganz Deutschland.

Das Internet ist uns Tänzer/n/innen heute ebenfalls sehr behilflich. Ob Informationen, Verkäufer, Tanz-Zeitschriften oder TänzerInnen gesucht werden – das Angebot ist sehr vielfältig. Und auch Informationen über das Ausland sind uns so sofort zugänglich. Die Seiten werden immer zahlreicher und es ist sehr einfach geworden an Infos heran zu kommen.

Auch auf den Unterricht wurde langsam immer mehr Wert gelegt. Seit ca. Mitte der 90er kann man die ersten Ausbildungs- und/oder Weiterbildungskonzepte buchen – mit oder ohne Abschlussdiplom oder auch Zertifikat.

Die ersten waren meines Wissens (Erinnerung) hierbei Anatha aus Frankfurt, Momo Kadous (damals noch Aachen) und Gamal Seif aus Köln.

BATO, das Weiterbildungsprojekt des Bundesverbandes 1995 „geboren“ ist eines davon und  inzwischen werden von etlichen namhaften Tänzer/n/innen viele Weiterbildungen angeboten – alle mit dem Gedanken, das Niveau des Orientalischen Tanzes zu heben.

 

Gegenwart (bis 2006)

Eine fundierte Aus- sprich Fortbildung wird nun immer wichtiger. Frauen, die sich hierfür entscheiden, haben eine große Auswahl von Möglichkeiten bundesweit, die auch preislich sehr unterschiedlich sind.

Neben dem Bundesverband mit seinem BATO-Weiterbildungsprojekt, bietet nun der Deutsche Tanzsport-Verband einen Übungsleiterschein für Orientalischen Tanz an und auch ESTODA ist immer weiter verbreitet. Jüngstes Kind im Reigen ist Said el Amir’s Jom-dance Academy. Auch einzelne bekannte Tänzerinnen (wie z.B. Reyhan, Manis und Havva engagieren sich in diesem Bereich).

Alle Dozenten und Institutionen, die eine solche Aus-/Weiterbildung anbieten, haben ein gemeinsames Ziel: die Verbesserung und die Sicherung der Tanz-Qualität.

Eine fundierte Ausbildung in Tanztechnik, Rhythmus- und Musikkunde, Choreografielehre, Kostümkunde, sowie kulturellem Hintergrundwissen (um vielleicht mal die wichtigsten zu nennen) ist auf jeden Fall der Grundstock für guten Tanz und gute Qualität. Hier setzen die verschiedenen Projekte an; wobei die Meinungen über Sinn und Unsinn solcher Bildung weit auseinander gehen.

Allerdings ist die Tendenz diese positiv zu sehen inzwischen größer als noch vor 4 Jahren, da sich alle darüber einig sind, das Niveau des Tanzes heben zu wollen.

Es ist jedoch auch eine Diskussion darüber entbrannt, wer denn wohl berechtigt sei diese Aus/Weiterbildungen zu leiten. Woher haben die ersten Dozent/en/innen ihr Wissen, wer hat sie ausgebildet. Gute Tänzer/innen sind nicht immer auch ein Garant für guten Unterricht und umgekehrt.

Aber es ist wohl eher so die Frage: wer war zuerst da, das Ei oder die Henne – wir werden dies nicht so schnell lösen können.

Allerdings sollten bei eine/r/m Lehrenden Unterrichtserfahrung und auch Kenntnisse in Didaktik und Methodik sowie etwas Psychologie auf jeden Fall vorhanden sein.

(Was die Didaktik und Methodik angeht ist übrigens gerade ein sehr gutes Buch von Miriam Missoura Marzetta (Schweiz) heraus gebracht worden. Sie leitet das ZeoT, Zentrum für Orientalische Tanzkunst in Zürich)

Orientalischer Tanz soll den gleichen Stellenwert erhalten, den andere Tanzarten auch genießen. Dies ist das einheitliche Ziel aller, die sich für den Tanz mit aller Kraft einsetzen.

Hierdurch wird auch an das Auftrittsniveau immer größere Anforderungen gestellt.   Schülerinnen-Shows, zu denen manchmal auch Profitänzerinnen engagiert wurden, hatten zu Beginn ein gänzlich anderes Ansehen beim Publikum als heute.

Das Bestreben, den Orientalischen Tanz auf Bühnenniveau zu heben, um ihm so auch mehr Ansehen in der Gesellschaft zu verleihen, hat inzwischen zu sehr guten Bühnenproduktionen geführt, die nicht nur uns TänzerInnen ansprechen, sondern auch das Publikum, das einfach Freude an dieser Tanzrichtung hat.

Immer öfter werden Inszenierungen gezeigt, die mehr sind als nur eine Orientalische Tanzshow. Elemente anderer Tanzrichtungen und Bühnenknowhow werden so integriert, dass eine ganz eigene Show entstehen kann.

 

Quo vadis?

Mehr und mehr wird allerdings auch darüber diskutiert was das alles soll, wohin es führen soll.

In den Ursprungsländern des Tanzes macht man sich da nicht so viele Gedanken über das Warum und Woher. Ist es typisch deutsch? Sind wir zu gründlich? Schadet es dem Tanz oder hilft es ihm?

Da wir Deutschen so gründlich sind und es ganz genau wissen wollen haben wir sehr viel geforscht und daher im Laufe der Jahre auch immer mehr über diesen Tanz erfahren.

Auch die Rhythmen werden genau auseinander gepflückt und analysiert – leider ist es jedoch sehr schwierig, an genaueste Informationen heran zu kommen, da manche Musiker genau das Gegenteil vom dem erzählen, das andere vorher gesagt haben - und jeder besteht darauf Recht zu haben.

Sicherlich wirkt sich dieses Streben nach Informationen und Perfektion aber auch in den Ursprungsländern aus.

Man könnte folgende These hierzu aufstellen:  Es entsteht so sogar eine Wiederbefruchtung und vieles was sonst vielleicht dort sogar verloren gegangen wäre, könnte auf dieser Art und Weise erhalten werden.

Dies wäre sicherlich eine Diskussion wert, was denken die LeserInnen hierüber??

 

Technik und el sirr

Auf saubere Technik wird heute mehr Wert denn je gelegt, was ja auch richtig ist. Allerdings besteht auch die Gefahr den Tanz total zu technisieren. Das wäre sehr schade, da er so seine Seele verlieren würde.

Viele sagen: vor lauter Technik wird oft das Herz des Tanzes vergessen, nur wenn das Herz beim Tanz dabei ist, ist er aussagekräftig, stimmt die Ausstrahlung, ist er authentisch (im Sinne von: zur Persönlichkeit der Tänzerin passend).

Anmut und Weiblichkeit, el sirr (wie es die Orientalen nennen = das Geheimnis) sind wesentliche Bestandteile des Tanzes – ebenso wie eine saubere Technik.

Wir müssen unterscheiden, wofür sich eine Tänzerin oder Tänzer entscheidet:

Es existieren im Internet seit 2000 Umfragen zu den verschiedensten Themen. Sie sind sicherlich nicht repräsentativ da nur wenige (im Vergleich zu allen Tanzenden) mitgemacht haben. Aber von denen, die sich äußern, sieht die z.B. die Mehrzahl im Tanz die Möglichkeit, sich gut zu fühlen und es wird auch ein positives Lebensgefühl damit verbunden sowie ein Ausgleich zum Alltagsstress. Auftritte stehen bei der Mehrheit nicht unbedingt an erster Stelle.

Demzufolge sind hierin natürlich auch die Gründe Orientalisch zu tanzen zu finden.

Das heißt, die Mehrheit strebt wohl nicht die Bühnenkarriere an und so sind dann bei Aufführungen dieser TänzerInnen andere Maßstäbe anzulegen.

Den Unterschieden müssen wir in der Beurteilung gerecht werden und unsere Maßstäbe diesen anpassen. Auf der anderen Seite passiert es jedoch auch sehr häufig, dass sich die TänzerInnen selbst niveaumäßig nicht richtig einschätzen können, was zwangsläufig zu Enttäuschungen auf beiden Seiten (Schüler/innen/Dozent/in oder Darstellend/e/em und Publikum) führen muss.

Der Druck Qualität abliefern zu müssen, lässt manche leider auch zum Mittel des Ideenklaus greifen. Dies ist jedoch überhaupt keine Möglichkeit sondern ist eher dazu angetan, diejenigen der allgemeinen Verachtung der Szene auszusetzen. Es ist außerdem ein Armutszeugnis, das sich derjenige, der klaut, selber ausstellt.

Allerdings schreibt Abeer mir hierzu folgendes: (“was heißt Ideenklau? Tänzerinnen sind keine Choreographen und umgekehrt, normal ist, dass die Tänzerinnen d. Choreographien kaufen i. WS, Privatunterricht oder durch gekaufte Videos usw.

Ich habe ein Problem mit dieser Bezeichnung “klauen“. Alle Tänzerinnen in Ägypten bekommen von Profi-Choreographen deren getanzte Choreographien. Und ich habe dort (in Ägypten) nie gehört, dass z.B. Mahmoud Reda der Choreograph von Samya Gamal ist, man liest den Namen des Choreographen im Vorspann des Films usw. In unsere Szene fehlt einfach, den Namen des Choreographen zu nennen, wie es sich  gehören würde.)

Ich meine hier nicht, dass bei einem Dozenten gelernte Choreographien übernommen werden ohne den Dozenten zu nennen – was ja auch schon ein Unding ist – nein sondern „Klau“ als abkupfern von Choreographien von Videos oder DVDs  ohne dass die Dozenten davon wissen.

Tanzsprache:

Es existiert im Orientalischen Tanz keine allgemeingültige einheitliche Tanzsprache, wie z.B. im Ballett. Diese gibt es übrigens selbst in den Ursprungsländern nicht.

Hier stellt sich wiederum die Frage – brauchen wir es wirklich? Sind wir wieder zu gründlich oder machen wir es uns damit einfach nur leichter?

Da der Tanz anfangs von Amerikanerinnen unterrichtet wurde, haben sich für die Grundbewegungen englische Worte eingebürgert, z.B. Drop (Hipdrop) oder Shimmy, Camelwalk, Backbend – dem gegenüber stehen jedoch unzählige Bewegungen, die keinen einheitlichen Namen haben. Beckenwelle, Beckenkreis, Hüftschwung sind noch allgemein bekannt aber schon der Grundschritt hat viele Namen, je nachdem wo Frau ihn kennen gelernt hat. (Arabischer Grundschritt, Viererschritt, usw.)

Schon in den 90ern gab es Bestrebungen ein einheitliches Tanzvokabular zu schaffen. Dies erwies sich als sehr schwierig, wurde doch schon sehr lange allein darüber diskutiert, was „hüftbreit“ bedeutet.

Heute wurde erneut der Versuch gestartet etwas Licht in den Dschungel der Benennungen zu bringen. Der Arbeitskreis „Nomenklatur“ um die Tänzerin Djamila bemüht sich hierum seit längerem. Auch hier ist das Internet sehr hilfreich. Auf der homepage  http://www.ot-nomenklatur.de  kann sich jede mit diesem Thema auseinander setzen und Vorschläge unterbreiten oder abstimmen (auch die Halima hatte jüngst darüber berichtet). 

Auf der homepage ist zu lesen, dass die Verwirklichung wohl noch Jahre dauern könnte – sie muss sich erst einmal durchsetzen. Bisher wurden 3 Stufen entwickelt, die „als Basisvorgehensweise“ angesehen werden können“. Sind wir gespannt wie sich dies weiterentwickeln wird – auch Ihr könnt auf dieser Seite mit dazu beitragen.

Wie geht es nun weiter? (vor allem in diesem Bereich würde ich mich über reges feedback freuen)

Ich glaube, unser Tanz entwickelt sich heute in verschiedene Richtungen. Wer Aussagen im Internet verfolgt findet heute auch immer mehr andere Tendenzen des Tanzes (im Gegensatz zu denen am Anfang beschriebenen, in denen Tanz, Persönlichkeit und kultureller Hintergrund nicht zu trennen sind).

Tanz als sportliche Betätigung

Der Tanz wird hier nicht im Zusammenhang mit der Kultur gesehen sondern eher als Form einer eigenständigen Tanzrichtung und bei manchen auch nur als Mittel um den Körper geschmeidig zu halten. Ich weiß nicht so genau – aber vielleicht ist es eine logische Folge dessen, dass auch immer mehr Sportvereine Orientalischen Tanz in ihrem Angebotskatalog haben. Und es ist ja auch unbestreitbar, dass er so etwas wie das non plus ultra für den Körper darstellt. Ich selbst bin hier das beste Beispiel, ohne diesen Tanz würde ich kaum noch sitzen, gehen, stehen können. Er ist wirklich ein Lebenselexir das u.a. die Muskeln stärkt.

Einige Aussagen gehen sogar soweit zu sagen, dass der Orientalische Tanz nur dann allgemein anerkannt werden kann, wenn er auch wissenschaftlich erforscht wird. Gemeint sind hiermit Forschungen inwieweit er gesundheitlich genutzt werden kann und inwieweit er zur Gesundheit beiträgt. Sogar Sportmediziner, z.B. der Hochschule Köln befassen sich inzwischen mit dem Thema und es erscheinen nun auch Bücher, die sich mit diesem Thema befassen.

Orientalischer Tanz als Fitness wurde 2005 von Nadja Abdel Farag (die sich ja nicht gerade als Orientalische Tänzerin einen Namen gemacht hat) als Video an die Frau gebracht - allerdings in sehr schlechter Manier und mäßigem Erfolg. 2006 erschien ein Büchlein mit dem Titel „Orientic Gym“. Der Tanz als solcher tritt hierbei etwas in den Hintergrund, es geht hauptsächlich um die Bewegungen und ihre Auswirkung auf die Beweglichkeit.

Eine weitere logische Folge ist dann vielleicht auch was sich hieraus noch entwickeln kann:

Zitate aus dem Forum Orient4all:

„Ich denke, auf lange Sicht werden wir ohne eine Organisation ähnlich den Tanzsportverbänden mit ihren Ausbildungen und "staatlich" anerkannten Geschichten am Image des OT wenig machen können....„

Werbetechnisch gesehen, bezogen auf Texte in Programmen und auf Internetseiten, denke ich, dass sich die Frauen eher erst einmal für die "Sportart OT" als die "Kunstform OT" interessieren.“

Ein weiteres Zitat „Wettbewerbe und Meisterschaften - das wäre doch die logische Folge der Eingliederung in die "anerkannten" Tanzsportarten, da gibt es das alles.“

 

Wettbewerbe

Wettbewerbe gibt es schon etwas länger, mehr oder weniger bekannt. Den ersten an den ich mich erinnere, wurde von einem Tanzzubehörladen in Hannover  (Ahmed Inangil) ausgerichtet  (Anfang der 90er). Die Tänzerinnen, die dort teilnahmen, waren – mit Ausnahme von dreien – eher schlechte Tänzerinnen. Die beiden erstplatzierten konnten sich aber später auch in der Tanzszene gut durchsetzen.

In den letzten beiden Jahren werden es wesentlich mehr Wettbewerbe und auch bekannte TänzerInnen lassen sich heute hierfür einspannen. Ob es nun ein Ballroom Award ist oder  A.I.D.A. 

Bei Taorie, wird sogar die deutsche Meisterin im Orientalischen Tanz gekürt.

Dem ADTV (ein anerkannter Tanzsportverband) ist seit einiger Zeit auch der Bereich Orientalischer Tanz angegliedert – allerdings hat auch er sich den dort üblichen Wettbewerben zu stellen und solche zu veranstalten.

Wettbewerbe werden wohl eher von Tänzerinnen angenommen, die sich noch etablieren wollen. Gestandene Stars der Szene werden höchstens in der Jury mitwirken als sich selbst der Jury zu stellen, da sie es nicht mehr nötig haben.

Es ist nun die Frage – sind Tänzerinnen die solche Wettbewerbe gewonnen haben besser – oder anders herum gefragt: sind die Chancen für die tänzerische Laufbahn dann besser als ohne Wettbewerbstitel?

Wie dem auch sei – auf lange Sicht werden sie wohl eher mehr werden als weniger, warum auch immer. Über eine Diskussion hierüber mit den LeserInnen würde ich mich sehr freuen.

 

Allgemeine Betrachtung – Resumé

Der Orientalische Tanz hat sich in den über 25 Jahren in denen er in Deutschland existiert schon sehr verändert. Von zaghaften Anfängen ohne großes Wissen über das woher und warum bis hin zum heutigen Perfektionierungswillen.

Aber es war auch ein „immer höher, immer größer, immer weiter“ zu beobachten, akrobatische Elemente hielten Einzug.  Ein Beispiel ist der Säbeltanz: erst mit einem Säbel, dann mit 2 und schlussendlich (?? Oder etwa nicht ??) mit 3en. Vor allem hier lässt sich auch Akrobatik wunderbar einbringen  - und das Publikum staunt.

Eine ähnliche Tendenz ist auch beim Schleiertanz zu beobachten, auch hier werden schon Tänzerinnen gesehen, die gleichzeitig 3 Schleier „betanzen“.

Ich streite nicht ab, dass es, wenn gut getanzt, eine Augenweide sein kann. Allerdings habe ich im letzen Jahr die Show „Al Tariq“ von Sylvianne Campell und Alexandra Herrfurth (ehemalige Schülerinnen der Tanzschule Suraya Hilal) gesehen. Sie hat mich sehr bewegt, wurde doch ausschließlich Baladi getanzt. Hinterher mochte man wirklich sagen: „Back to the roots“ – einfach schön.

Die Tendenz ist wohl so, dass sich die Wege im Tanz trennen werden.

  1. Orientalischer Tanz als das was er im Ursprungsland war und ist – der Tanz von Frauen in der Gemeinschaft in der das Miteinander zählt.
  2. der Tanz als Kulturerlebnis auf der Bühne von Profis dargeboten
  3. der Tanz als sportliche Betätigung, einfach nur so (Breitensport) oder in Wettkämpfen

Es haben sich also im Laufe dieses Artikels einige Fragen aufgetan. Wie seht Ihr die Entwicklung?

Hier noch mal im Überblick

 Über viele Beiträge von Euch würde ich mich sehr freuen.