Stellung der Frau
| Tunesien |
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Tunesien
war Vorreiter was die rechtliche Stellung der
Frau in islamischen Ländern betraf: die Polygamie
wurde abgeschafft, das Heiratsalter für Männer auf 18 und für Frauen
auf frühestens 15 Jahre festgelegt. Väter können ihre Töchter und Söhne
nicht mehr zur Ehe zwingen. Ab 64 wurde das Alter nochmals heraufgesetzt
– Männer 20, Frauen 17 Jahre.
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Stellung der
Frau
| Frauen in Ägypten |
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nach
dem Artikel - Spearhead von
Katherine Roth, Habibi 93, Vol 12 No 4 - zuerst veröffentlicht in Cairo
Today 1991 Nawal
el Saadawi ist eine der bekanntesten, gehasstesten aber andererseits auch
beliebtesten Frauen der arabischen Welt. Sie
steht ein für die Gleichheit der Geschlechter und ihre kompromisslose,
aggressive Art und ihr Einsatz für sexuelle Freiheit vor der Ehe haben
sie in arabischen Ländern so wie auch im Westen bekannt gemacht. Sie
sagt: „Meine Rolle ist es Politik und Gesellschaft zu verbinden, alles
zusammen zu bringen in einem Kampf für Gerechtigkeit. So lange ich nicht
zufrieden bin werde ich dafür kämpfen die Dinge in Ägypten zu verändern.“ Dies
hat ihr viele Feinde eingebracht, seit über 40 Jahren wurde sie
angegriffen - aber sie schaut dennoch nach vorn und schreibt um so mehr Bücher. Bevor
sie Sherif Hetata heiratete wurde sie 2x geschieden, sie möchte das
System ändern und beginnt bei sich selbst. Sie sagt: „Es ist tatsächlich
nicht leicht für eine unabhängige freie Frau eine erfolgreiche Ehe zu führen,
es ist fast unmöglich....Meine Beziehung zu Sherif basiert auf Gleichheit
und Gerechtigkeit.“ Aufgewachsen
ist Nawal in einer vergleichsweise liberalen Familie - aber dennoch hatte
sie das Gefühl, dass ihr Bruder privilegierter war als sie selbst.
Nachdem sie später in ländlichen Gebieten als Ärztin gearbeitet hatte,
merkte sie, dass ihre früheren Gefühle der Diskriminierung richtig
waren. Sie
arbeitet gegen die Beschneidung der Frau, die Verschleierung und für die
Gleichstellung der Frau. Die beiden letztgenannten Punkte sind ihrer
Meinung auf eine Fehlinterpretation des Koran zurückzuführen. Sie
ist überzeugt, dass die geschlechtliche Gleichheit in Übereinstimmung
mit dem Islam steht und dass eine faire Teilung der täglichen Arbeit in
Praxis sowohl in der Theorie richtig sind. Nachdem
sie ihr Buch „Frauen und Sex“ veröffentlicht hatte, wurde sie von
ihrem Posten als Chefredakteurin der medizinischen Zeitschrift „Health“
sowie dem des ägyptischen Direktors der öffentlichen Gesundheit
entlassen. Sadat
ließ sie 1981 mit weiteren 1500 führenden Köpfen verhaften. Sie und
andere wurden 3 Monate später von Mubarak, als einem seiner ersten
Staatsakte, wieder entlassen. Sie
arbeitet als politische Aktivistin und während Mubaraks Präsidentschaft
forderte sie auch mehr Demokratie in Ägypten. 1982 gründete Nawal El Saadawi die Gesellschaft Arabischer Frauen, deren Präsidentin sie ist. International hat diese Gesellschaft, deren Motto lautet: „entschleiert den Verstand“ 2000 Mitglieder - davon in Ägypten 600, wobei erstaunlicherweise 30% Männer darunter waren. Nawal lebt ständig unter dem wachsamen Auge der Regierung, sie sagt: “Sie waren von Anfang an gegen uns“. Die
Gesellschaft hilft progressiven Ägypterinnen ihre Arbeiten zu veröffentlichen
und den Status der Frauen in ländlichen Gebieten zu verbessern. Aufklärungsarbeit
gegen Beschneidung und Verschleierung wird geleistet. Von
Kritikern - auch durchaus aus dem eigenen Lager - wird sie als zu
aggressiv und zu wenig taktvoll angesehen, was ihrer Arbeit Schaden zufügen
kann. Auch
Ameena El Said, die erste weibliche professionelle Journalistin Ägyptens
ist ähnlicher Meinung. Ameena war nie im Gefängnis und wurde/wird von
Nasser, Sadat und Mubarak sehr geachtet - obwohl sie immer die gleiche
Meinung wie Nawal vertrat. Beide
nähern sich dem Problem lediglich von verschiedenen Seiten. El Said
glaubt, dass Saadawi einfach zu schnell für ihre Landsleute vorgeht. So
hat sie selbst nie vorehelichen Sex propagiert, was für viele Ägypter
einfach zu viel ist. |
| Jehan Sadat |
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Obwohl
Sadat Nawal El Saadawi verhaften ließ setzte sich auch seine Frau für
die Rechte der Frauen ein, allerdings mit wesentlich sanfteren Methoden. Jehan
setzte sich beispielsweise auch für die Hilfe zur Selbsthilfe ein, indem
sie Frauen half eine Arbeit zu finden und eigenes Geld zu verdienen. Viele
Frauen hatten Angst ihren Mann zu verlieren, sie waren von ihm abhängig
da er ihnen Obdach und Geld gab. Einige verloren ihre eigene Identität
und all dies machte sie zu „Gefangenen ihrer Ehe und nicht zu
Ehepartnerinnen“. Die
Selbständigkeit durch die eigene Arbeit half diesen Frauen sehr obwohl
sie anfangs ziemlich darum kämpfen mussten, da Männer es lieben, wenn
ihre Frauen mit dem Essen auf sie warten wenn sie nach Hause kommen, sie
die Kinder erziehen und den Haushalt perfekt besorgen. Auch Jehans Mann
Anwar El Sadat bildete darin keine Ausnahme auch sie musste weibliche List
anwenden um ihr Arbeitspensum im Krankenhaus, das auch nach 14 Uhr noch
nicht zu Ende war, zu schaffen. Sie sollte um
14.Uhr zu Hause sein - also kam sie erst pünktlich und dann immer
etwas später. Als
ägyptische First Lady widmete sie sich später der Sozialarbeit, sie
iniziierte das erste SOS-Kinderdorf in Ägypten und um zu demonstrieren
wie wichtig Frauenbildung war, schrieb sie sich noch mit 41Jahren an der
Universität von Kairo ein. Frauen wurden immer noch stark diskriminiert
und waren in der Öffentlichkeitsarbeit unterrepräsentiert - und das
obwohl theoretisch bereits 1952 das Wahlrecht errungen worden war ebenso
wie das Recht gleichberechtigter Arbeit. Jehan
wollte alles tun, damit die Frauen von ihrer Chance zur Weiterbildung auch
Gebrauch machen wollten. So hatte sie auch nichts dagegen, dass ihr Examen
im Fernsehen zu sehen war. Die
Situation auf dem Land war ziemlich konträr zu der in Kairo, wo doch fast
die Hälfte der Studierenden Frauen waren. So startete Jehan Ausbildungs-
und Arbeitsprogramme und lud Frauen zu Vorlesungen über Empfängsnisverhütung
ein. Anwar El Sadat half ihr 1980 damit, dass vom Staat eine kleine
Pension für die alten Menschen ausgezahlt wurde, so dass sie nicht mehr
so sehr auf viele Kinder angewiesen sein würden. Viele
Kinder waren für die Frauen oft auch die einzige Chance, einer Scheidung
zu entgehen - 62% der Frauen ohne Kinder aber nur 4% der mit 4 Kindern
wurden z.B. geschieden (Jehan Sadat
S. 320ff) Angestrebte
Reformen durften nicht im Gegensatz zu Koran, Hadith und Scharia stehen. Viele
Frauen hatten Angst ihren Mann zu verlieren, sie waren von ihm abhängig
da er ihnen Obdach und Geld gab. Einige verloren ihre eigene Identität
und all dies machte sie zu „Gefangenen ihrer Ehe und nicht zu
Ehepartnerinnen“. |
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„Ich
bin eine Frau aus Ägypten“ Autobiographie von Jehan Sadat, Heyne
Taschenbuch 10. Aufl., ISBN 3-453-04599-8 |
| Stellung der Frau zu Beginn des Islam |
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Die
Beduinen der Wüste überlebten nur dank ihrer Stammessolidarität, sie
hatten eine „absolute Handlungsfreiheit gegen alle, mit denen er weder
durch Blutsverwandtschaft noch durch Heirat verbunden war.“ Um das Überleben
zu sichern musste Stärke gezeigt werden und unter umständen als erstes
zugeschlagen werden. Wie wichtig die Blutsverwandtschaft war ist in der
Namensgebung zu erkennen. Ibn, Abu ....Vater von, Sohn von ... in langer
Familienreihe. In
Hungersnöten wurden die Söhne behalten, sie konnten den Stamm schützen
und die Mädchen wurden ausgesetzt. Es herrschte bei Mord die These
„Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Jeder erwachsene Mann war Verantwortlich
für den Besitz und das Blut eines jeden Stammesgenossen. So war der
Gemeinschaftsgeist sehr hoch und so ist es auch zu erklären, dass die
Ehre einer Frau und deren Schutz auch nach der Heirat noch immer in den Händen
ihrer Brüder lag. Daher wurde auch das Erbe nicht unter den Frauen
sondern ihren Onkeln und Brüdern aufgeteilt. T.
Bianquis schreibt: „Alles gründet darauf hin, dass sich die
Gattenfamilie nicht anlässlich der Heirat oder der Geburt einer Tochter
gründete, sondern erst dann, wenn der erste Sohn als künftiger
Stammeskrieger geboren wurde.“ Die
Veränderungen der Gesellschaftsstruktur brachte auch Veränderungen
dieses Gefüges. Bianquis: „Da sie nun Handel trieben, veränderten sich
die traditionellen Produktionsverhältnisse, vor allem in Mekka, das jetzt
die ökonomischen Funktionen einer Stadt erfüllte....Im Fernhandel oder
in Handelsgesellschaften konnte eine Frau ebenso Erfolg haben wie ein
Mann.“ Für
Frauen, die von ihren Männern verstoßen worden waren oder die Witwen
wurden und nicht wieder in den Schoß der Familie zurückkehren konnten
brachte dies allerdings härtere Bedingungen mit sich. Früher war ihnen
Schutz und Ernährung durch ihren Stamm sicher, sie brauchten sich nur
beim Melken und der Versorgung nützlich zu machen, in der Stadt allein
gestellt blieb ihnen oft nur die Prostitution, um nicht zu verhungern. Tatsache
ist, dass Mohammed im 7. Jahrhundert einige Regelungen und Veränderungen
in Gang brachte, die auch die Frauen betrafen. Seine mündlichen Überlieferungen
wurden im Laufe der ersten Jahrhunderte gesammelt und zum Koran
zusammengetragen. Die
hadith, die Traditionen
berichten über die Reaktionen des Propheten auf bestimmte Situationen, über
seine Antworten und Anregungen. So entwickelte sich daraus eine Sammlung,
die bei bestimmten Rechtsproblemen Rat geben konnte, die sunna. Bei
einigen hadith wird der
Mohammeds Ursprung zwar angezweifelt, sie haben dennoch für die Gläubigen
Bestand und sind verbindlich. In der sira
geht es um die Darstellung des Lebens Mohammeds. Quran
(Koran) Sunna und Sira bilden die drei Säulen des islamischen Rechts. Auf
dieser Grundlage werden alle Handlungen der Gläubigen umfasst . „Die
islamische Gesetzgebung behandelt alle Beziehungen zwischen Individuen mit
besonderer Sorgfalt, im besonderen alle Interessenkonflikte, die mehr oder
weniger auf vertragliche Weise geregelt werden müssen. So werden
nacheinander alle Probleme angesprochen, die mit Ehe, Ehebruch, Scheidung,
Erbe und Familiensolidarität angesichts eines Blutverbrechens zu tun
haben.“ (Thierry Bianquis, Die Familie im Arabischen Islam) Nach
Mohammeds Tod wurde seine Tochter Fatima beim Erbe benachteiligt und ihr
Mann wurde nicht zum rechtmäßigen Nachfolger Mohammeds ernannt. Dies
wurde im Laufe der Zeit zur Grundlage der zweiten religiösen
Grundrichtung des Islam. Die Religion der Schiiten fand hier ihren Anfang.
Und so ist auch die grundsätzlich andere Einstellung der Schiiten zum
Erbrecht zu verstehen. „Außerdem
gab es unter den adligen Nachkommen Fatimas zahlreiche Erniedrigte und Märtyrer,
und der Schiismus gesteht dem Opfer das Recht und manchmal die Pflicht zu,
gegen eine ungerechte Ordnung zu rebellieren, während der Sunnismus das
Recht des regierenden Fürsten begünstigt, ob er nun fromm oder gottlos
ist, vorausgesetzt, er erklärt sich selbst als Muslim.“ (Thierry
Bianquis) Stamm
und Familie und ihre Solidarität waren in der Beduinischen Gesellschaft
wichtigstes Gut und nur sie sicherten das Überleben. Mohammed
war für eine Reformierung der Ehe, wobei er einige der alten Traditionen
wohlweislich beibehielt, um seinen Mitmenschen nicht allzu arg „vor den
Kopf zu stoßen“, andere aber erneuerte. Er selbst lebte dies in seiner
Ehe vor, doch seine Absichten stießen schon zu seinen Lebzeiten auf
Widerstand und nach seinem Tod konnten spitzfindige Juristen seine Worte
so drehen, wie sie sie verstanden haben wollten. „Die
islamische Ehegesetzgebung sollte einem Tatbestand abhelfen, der sehr
spezifisch für eine bestimmte Zeit und eine bestimmte Region war.“ (Bianquis) Die
beduinische Gesellschaftsstruktur, wie weiter oben schon ausgeführt, war
auch mit ein Grund dafür, dass von der Frau absolute Treue verlangt
wurde. Es wäre undenkbar gewesen, wenn eine Frau von einem Fremden, der
nicht zum Stamm gehörte, ein Kind bekommen hätte. „Wie im römischen
Recht wurde Ehebruch vor allem deshalb verurteilt, weil er den legitimen
Nachkommen um sein Erbe brachte – und dies zugunsten eines Fremden, der
keinerlei Anspruch darauf hatte.“ (Bianquis) Mohammed
verurteilte daher Männer sowie Frauen, die des Ehebruchs überführt
waren zum Tod durch Steinigung (ist bis zum heutigen Tage z.B. in Saudi
Arabien noch nicht ausgerottet). Allerdings sind mehrere Zeugen nötig,
die genaue Aussagen über den Tathergang machen können. Lügner wurden
streng bestraft.
Mohammed
selbst gab seinen Anhängern den Beweis, dass Vertrauen ein unabdingbares
Gut der Ehe ist. War doch auch seine Lieblingsfrau Aischa, die einige
Stunden mit einem Mann allein verbracht hatte, verdächtig eine
unmoralische Handlung begangen zu haben. Dabei hatte der junge Mann sie
nur beschützt - sie war in
einer Gruppe unterwegs gewesen, plötzlich waren alle schon weiter
geritten und sie alleine – der Mann brachte sie lediglich sicher nach
Hause. Mohammed glaubte ihren Ausführungen, sie beteuerte glaubhaft ihn
nicht betrogen zu haben und er bezeugte öffentlich sein Vertrauen zu ihr. In
dieser unruhigen und gefährlichen Zeit waren Frauen oft Opfer in
doppelter Hinsicht. Auf der einen Seite konnten sie nie über sich selbst
bestimmen, sie waren abhängig von Familie und Ehemann. Sie waren die Gebärerinnen,
die den Fortbestand der Sippe garantierten und auf der anderen Seite, in
Kriegszeiten wurden sie nicht selten überfallen, geraubt und vergewaltigt
und/oder getötet. Außerdem:
viele Kriege wurden schon wegen der Schönheit einer Frau angezettelt. Daher
war es im ganzen mediterranen Gebiet Brauch, die Frauen in abgeschlossenen
Räumen, die kein fremder Mann je betreten durften, unterzubringen. Sie
war haram, d.h. für andere
verboten. Daher stammt auch der Name Harem. Ebenso bildete der Schleier
einen Schutz vor den Blicken Fremder – er war, wie Bianquis es ausdrückt
eine Art „mobiler haram“ Die
Sitte der Verschleierung der Frau stammt also nicht allein aus der Zeit
Mohammeds, sie war auch schon vorher in einigen Gegenden zu finden. Nach
Irmhild Richter-Dridi war nach überlieferten Dokumenten den Frauen der
vorislamischen Zeit der Schleier unbekannt. Sie schreibt, dass Mohammed
selbst einem Bräutigam den Rat gab, sich die Braut vor der Hochzeit
anzusehen. Nach
Mohammeds Tod wurde der Islam in andere Länder getragen, die Araber kamen
mit fremden Kulturen in Berührung und nahmen einige ihrer Sitten an. Skulpturen
aus Palmyra zeigen uns, dass der Brauch des Verschleierns schon lange vor
der Islamisierung bekannt war. So verschleierten sich z.B. die vornehmen persischen Frauen, um sich vom gemeinen Volk abzuheben. Dies imitierten auch bald die arabischen Frauen; sie wollten sich von den Sklavinnen unterscheiden. Im
Koran steht: „Prophet,
sprich zu deinen Gattinnen und deinen Töchtern und den Weibern der Gläubigen,
daß sie sich in ihren Überwurf (djilbab)
verhüllen. So werden sie
eher erkannt (als anständige Frauen) und werden nicht verletzt.“ (Sure
33/59 nach Henning) Dridi
schreibt, daß sich an dem Wort djilbab die Geister scheiden. Es kann übersetzt
werden als: Hemd, Mantel oder Schal. Von einem Verdecken des Gesichtes war
hier nicht die Rede. Mohammed
wollte wohl lediglich eine etwas dezentere Kleidung - um seine Frauen vor
lüsternen Blicken zu schützen Thierry
Bianquis schreibt in „Die Familie im arabischen Islam“: „Man
sagt, Muhammad, dessen Frauen in Zimmern untergebracht waren, die auf den
Hof eines öffentlichen Gebäudes gingen - der zukünftigen Moschee von
Medina -, in dem er seine Besucher, Muslime und Nichtmuslime, empfing,
habe ihnen geraten, ihrer eigenen Ruhe wegen den Schleier zu tragen.“ Er bezog sich dabei nicht auf alle Frauen. Die
jungen Mädchen lebten bis zur Pubertät in ihrem Elternhaus, der Vater
oder ein männlicher Vormund waren für sie verantwortlich. Dieser konnte
dann beschließen, die Tochter innerhalb der Familie zu verheiraten, z.B.
geschah dies oft mit einem Vetter väterlicherseits (ebenso wie in
Christen- oder Judentum). Aus politischer Sicht konnte auch einmal eine
Ehe außerhalb der Familie beschlossen werden. Wurde
der Ehevertrag unterzeichnet, so überreichte der zukünftige Ehemann dem
Vater ein Geschenk, um ihn für den Verlust der Tochter zu entschädigen.
Bei Eheschließungen außerhalb der Familie fiel dieses Geschenk dann üppiger
aus. Für
Mohammed war dieses Geschenk eher symbolisch oder geringem Wert, damit
auch Männer, die nicht so viel besaßen heiraten konnten. Später änderte
sich dies jedoch, Bianquis schreibt, dass sich junge Städterinnen gar
damit rühmten, dass man sie zu höchstem Preis erworben habe. Auch
der Status und das Selbstwertgefühl der Frauen hat sich anscheinend an
diesem Preis festgemacht. Wahrscheinlich kam es ihnen gar nicht in den
Sinn, da es ja immer schon allgemein so üblich war, sich als eher als
Ware denn als Individuum zu fühlen. Die
Mädchen konnten per Vertrag schon sehr jung verheiratet werden, die Ehe
wurde jedoch erst mit Beginn der Pubertät vollzogen. Dem Mann wurde sie
dann am Abend vor der Hochzeit vorgestellt. An
der Bildung des neuen Hausstandes beteiligte sich auch die Familie der
Frau. In
der Praxis sah es so aus, dass die jungen Mädchen keine Möglichkeit
hatten, ihr Einverständnis zu verweigern. Obwohl es heißt, dass Mohammed
ihr Einverständnis gefordert habe. Bianquis schreibt hierzu: „die
Muslime hätten mit dem Argument, eine schamhafte Jungfrau wage es nicht,
ihren Wunsch deutlich zu machen, von Muhammed die Erlaubnis erlangt, sich
mit einem bloßen Zeichen der Zustimmung und schließlich einfach mit dem
Fehlen einer klar formulierten Ablehnung zu begnügen. Von da an wurden
nur Witwen oder verstoßene Frauen, die man wiederverheiraten wollte,
explizit gefragt.“ Die
alten und reichen Kaufleute brauchten sich also nicht darum kümmern, ob
die jungen Mädchen sie wollten oder nicht, sie konnten ganz nach ihren Wünschen
handeln. Es wird berichtet, dass sich junge Männer darüber ereifert hätten
und den alten Wortlaut wieder eingesetzt haben wollten, die Kadis stammten
allerdings selbst auch aus den Kreisen, die die Neuerung bevorzugten und
so änderte sich nichts an diesem Gesetz. In
der Praxis sah es so aus, dass die jungen Mädchen keine Möglichkeit
hatten, ihr Einverständnis zu verweigern. Obwohl es heißt, dass Mohammed
ihr Einverständnis gefordert habe. Bianquis schreibt hierzu: „die
Muslime hätten mit dem Argument, eine schamhafte Jungfrau wage es nicht,
ihren Wunsch deutlich zu machen, von Muhammed die Erlaubnis erlangt, sich
mit einem bloßen Zeichen der Zustimmung und schließlich einfach mit dem
Fehlen einer klar formulierten Ablehnung zu begnügen. Von da an wurden
nur Witwen oder verstoßene Frauen, die man wiederverheiraten wollte,
explizit gefragt.“ Der
Mann hatte auch das Recht eine Frau, wenn sie ihm zu alt wurde, d.h. auch
keine Kinder gebären konnte, die ja für den Stamm sehr wichtig waren, zu
verstoßen. Er musste hierzu lediglich öffentlich erklären: “Ich
verstoße dich“ und dies dreimal hintereinander. Ein
Motiv brauchte er nicht zu nennen. Verwitwete
Frauen mussten 3 Monate warten, um festzustellen, ob sie schwanger sind,
dann konnten sie sich einem anderen Mann vermählen. Heiraten
mit Christinnen wurde den Männern erlaubt, um „den muslimischen Stamm
um mehr gebärfähige Frauen“ zu bereichern; umgekehrt war es jedoch
nicht möglich einen Christen zu heiraten, dieser musste sich erst zum
Islam bekehren.
Viele
Bauern hatten nicht die Mittel, Sklaven zu kaufen, die ihnen bei der
Arbeit behilflich waren – so war es natürlich sehr praktisch, sich über
die Jahre hinweg immer wieder mit Hilfe einer Heirat, eine junge, arbeitstüchtige
Frau als Hilfe zu erwerben. Da die Kindersterblichkeit sehr hoch war, war
es natürlich aus all den vorhergehenden Überlegungen auch wichtig, möglichst
viele Kinder zu haben, die wiederum das Alter sicherten. Da
die Städter einen höheren Brautpreis verlangten war das Heiratsalter der
Männer auch wesentlich höher, da sie ja erst beruflich etabliert sein
mussten, um ihn sich leisten zu können. Im
13. / 14. Jahrhundert setzte eine Verarmung ein und in vielen Quellen wird
nun erwähnt, dass die Frauen durch Weben, Spinnen u.ä. mit zum Unterhalt
der Familien beitrugen. Bianquis
folgende These zeigt hier einen sehr interessanten Aspekt: „Doch
in früheren Epochen waren die ökonomischen Zwänge, denen die städtische
Arbeiterschaft unterworfen war, im Gegensatz zu der Lage auf dem Land wohl
eher ein Hemmschuh für die Polygamie. Die Verstoßung einer älter
gewordenen Ehefrau markierte einen sozialen Aufstieg, der es auch ermöglichte,
langfristige Ersparnisse zu bilden. Diese städtische Gepflogenheit führte
dazu, dass Polygamie eher vermieden wurde, während es auf dem Land immer
irgendwelche Arbeiten gab, die auch eine ältere Frau verrichten konnte.
Bei reicheren Kaufleuten, die sich ihre alten Tage mit den Reizen eines
jungen Mädchens verschönern wollten, hatte die Polygamie eine
ostentative Funktion und war ein Beweis für beruflichen Erfolg.“ Ein
weiterer Hemmschuh der Verstoßung älterer Frauen waren die Söhne, die
meist ein sehr inniges Verhältnis zur Mutter hatten. Die Väter liefen
hier Gefahr, dass sich ihre Söhne gegen sie stellten. Auch
im Islam war die Frau dem Manne untertan – eben aus dem gleichen Grund,
der auch im Christentum dafür herhalten musste. „Gott habe die Frau aus
einem Teilstück des männlichen Körpers geschaffen, damit sie dem Manne
diene.“ Als
Zeuge genügte ein Mann, jedoch als Zeugin benötigte man 2 Frauen. Eine freie Frau
konnte einen Sklaven befreien, indem sie ihn heiratete. Der Mann, der eine
Sklavin heiratete wurde, nach Bianquis, hingegen selbst zum Sklaven. Er
durfte sie lediglich zur Konkubine nehmen. Gebar
sie ihm dann einen Sohn, so wurde sie frei, da sie einem freien Mann das
Leben schenkte. Mohammed
gestand der Frau einen Platz zwischen Mann und Sklave zu, wo sie doch früher
oft auf gleicher Ebene der Sklavin stand. Da der Mann kämpfen konnte und
vollkommen Herr über seine Handlungen war – stand er auch nach seiner
Meinung über der Frau. Er
verpflichtete den Ehemann auch für den Unterhalt seiner Frau zu sorgen
ohne eine Gegenleistung z.B. in der Hausarbeit zu fordern. Er drängte
laut Bianquis auch darauf, „dass die Heiratsgabe an die Familie der
Braut reduziert wurde, der Ehemann sich aber verpflichten musste, eine
Mitgift zugunsten seiner Frau auszustellen, die ihr finanzielle Unabhängigkeit
sicherte. Einen sehr geringen Teil dieser Mitgift bekam die Frau, nachdem
die Ehe vollzogen war, doch der Hauptteil war für den Fall bestimmt, dass
sie verstoßen wurde.“ So war sie finanziell wenigstens etwas
abgesichert. So
sehr sich Mohammed für die Rechte der Frau einsetzte sosehr wurden einige
seiner Gebote später doch umgangen, indem sie einfach anders ausgelegt
wurden. Im 8. Jahrhundert unter den Abbasiden wurde einiges wieder eingeschränkt. Um die Ehefrau vor Verstoßung zu schützen sah der Ehevertrag in einigen Fällen auch vor, das Witwengut so hoch anzusetzen, dass dies die finanziellen Möglichkeiten des Ehemannes gesprengt hätte. „Doch auch dann musste man erst beim Kadi erreichen, dass diese Klausel bei der Entscheidung zur Trennung, die viele Jahre später erfolgen konnte, respektiert wurde.“ (Bianquis) |
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Quellenangabe: Thierry Bianquis: "Die Stellung der Frau im Arabischen Islam. Dieses Kapitel entstammt dem Buch: Geschichte der Familie Irmhild Richter-Dridi: "Frauenbefreiung in einem islamischen Land - ein Widerspruch?" Das Beispiel Tunesien, Fischer Taschenbuch Verlag 1981 3-596-23717-3 |