gekürzter Auszug aus dem Kapitel: Tänze in Marokko aus dem Buch "Spektrum Orientalischer Tanz" von Nabila Shams El Din  

    Ahouach

Die Chleu-Berber des Hohen Atlas haben diesen Tanz ahouach genannt, was soviel wie „Gemeinschaftstanz“ bedeutet. Keine Fest ohne Ahouach - er ist Teil aller wichtigen Ereignisse: Riten des Ackerbaus wie:  Aussaat oder Ernte, Riten der Aufnahme in die soziale Gemeinschaft wie: Beschneidung und Hochzeit. Außerdem Maraboutversammlungen und Moussems.

Tanz, Poesie und Gesang sind beim Ahouach sehr wichtig. Eine Serie von Tänzen wird, zumeist abends, einer nach dem anderen aufgeführt - was einige Stunden dauern kann.

Die Tänzer/innen formen einen Kreis oder Reihen, stehen Schulter an Schulter und bewegen sich zur Musik des Bendir (= große Rahmentrommel)  vor und zurück. Dies geschieht meist beim Schein eines großen Lagerfeuers im Hof einer Kasbah. Die Rhythmusinstrumente können dann praktischerweise an ihm immer wieder neu gestimmt werden.

Dies geschieht folgendermaßen:

Das Instrument wird ans Feuer gehalten, damit sich die Ziegenhaut darauf wieder spannen kann. Durch die Feuchte der Nacht wird die nämlich schnell schlaff und die Trommel klingt nicht mehr; durch die Hitze des Feuers spannt sie sich jedoch wieder und der Ton klingt wieder voll und klar.

Je nach Region begleiten auch noch andere Instrumente die Tanzenden. Einfache oder doppelte Flöte, rbab (Einseitiges Holzinstrument - ähnlich einer Violine) und gumbri (zweiseitige Laute). Aber nicht alle Stämme erlauben den Frauen am Tanz teilzunehmen - einige lassen verheiratete Frauen nicht teilhaben, andere unverheiratete junge Mädchen.

So tanzen z.B. in Quarzazate, im Tal der Draa, alleine die Frauen den Ahouach und bei den Haha bei Essaouira bleiben die Männer unter sich.

Die Kleidung unterscheidet sich je nach Stammeszugehörigkeit.

   Ahidous  

Die Amazigh-Berber aus dem Mittleren Atlas tanzen ihn; es ist ein gemischter Tanz.

Er drückt die Freude des gemeinsamen Tun aus, ob nun in der Stadt, dem Tal oder dem Stamm. Der Ahidous darf auf keinem gemeinsamen traditionellen Fest fehlen, vor allem nicht bei Hochzeiten, Beschneidungsfeiern oder Moussems.

Wechselnde Kreise von Männern und Frauen wiegen sich langsam Schulter an Schulter zum Rhythmus des Händeklatschens, des Bendir und dem Gesang poetischer Musik. Es geht hierbei um Liebe, Hoffnungslosigkeit, Pferde und Natur und der Gesang wird so lange fortgesetzt, wie es die Teilnehmer möchten.

Stampfschritte markieren dabei den Rhythmus. Die Kleidung ist farbenfroh.

Die Aufstellung der Teilnehmer variiert je nach Region, aber immer sehen wir 2 Reihen die sich gegenüberstehen. Entweder eine Reihe Männer, eine Frauen oder Männer und Frauen im Wechsel. Im Zentrum des Tanzes steht der Bendirspieler, der die Führung übernimmt und den Rhythmus bestimmt.

Der Tanz besteht hauptsächlich aus schnellen Schulterbewegungen, zumeist schnelle Schultershimmies mit Betonung von unten nach oben - „während die Frauen ihren vorderen Arm heben und senken, die flache Hand zu ihrem Gesicht gewandt - so als ob sie um etwas bitten oder eine Verbindung zwischen Himmel und Erde herstellen würden“ (V. Lièvre).

Aissawa oder Issawiya

Dies ist ein religiöser sufistischer Trancetanz, der für seine Hadra berühmt ist, ebenso wie für seine Eisen- und Feuerspiele. (Siehe auch unter Tänze Tunesiens)

Zum Haha schreibt Brigitte Baldinger, die eine Schrift des marokkanischen Fremdenverkehrsbüros übersetzt hat:

„Die Gruppe der Haha kommt .... aus der Gegend von Essaouira und Agadir. Die Musikbegleitung ist auf eine traditionelle Flöte reduziert. Sporadisches Händeklatschen zu bestimmten Momenten und das Stampfen der Füße auf den Boden erzeugen einen kraftvollen und zauberhaften Rhythmus. Die Männer tanzen energiegeladen und männlich.“

Andalou

Siehe Kapitel „Tänze in Tunesien“

Tata   Ist ein Hochzeitstanz.

Die Frauen sind reich mit Schmuck behangen und tragen prächtige Kostüme. Sie tanzen zur Musik des Bendir während sie zur gleichen Zeit singen.

Kelaa M'gouna

Nach Havva dürfen nur unverheiratet Frauen teilnehmen, er "soll aus den Flugbewegungen der Bienen in diesem Rosengarten entstanden sein ... es ist jedenfalls ein Genuss, dem raschen Wechsel der Reihen, die immer neue Muster und Figuren bilden, zuzuschauen und die prachtvollen bunten Kostüme der Frauen zu bewundern.".

Rakba 

Havva: Er stammt aus Quarzazate. "Die Männer lassen sich beim Tanzen auf den Rücken fallen, drehen und bewegen dabei noch virtuos ihre Trommeln, wiederholen dies in verschiedenen Variationen und am Ende des Tanzes sind es gar eine ganze Reihe von Männern, die sich vorn über Kreuz an den Händen gefaßt, immer wieder hinlegen und aufstehen."

Tissint

Er ist ein Hochzeitstanz aus dem südlichen Anti Atlas, der auch „Dolchtanz“ genannt wird. (Gegend von Goulimine und Tan-Tan)

Die Männer tragen weite gandouras in indigoblau, der Kopf und der untere Teil des Gesichts werden von einem großen schwarzen Turban bedeckt, dem litham. Die Frauen tragen ein schwarzes Kleid, das von einem farbigen Gürtel gehalten wird. Ihr reichhaltiger Schmuck verleiht den Frauen ein stolzes Aussehen.

Während der Hochzeitszeremonie tanzen die  zukünftigen Vermählten den Tissint. Die anderen Frauen und Männer stehen um sie herum und singen und klatschen in die Hände.

Mit kleinen Schritten und leichten Zitterbewegungen der Schultern und Brust geht der junge Mann auf das Mädchen zu, er hält in einer Hand einen an einer Kordel befestigten Dolch.

Sie hält die Arme dicht am Körper, die Handflächen sind nach außen geöffnet.

Die beiden Tanzenden umkreisen sich in verschiedenen Abständen, der Rhythmus steigert sich und am Schluß nähert sich der Mann und hängt dem Mädchen den Dolch um. Sie ist nun seine Frau.

Houara

Er stammt aus der Gegend zwischen Agadir und Taroudant.

Viviane Lièvre schreibt, daß Legenden existieren, die den Ursprung dieses erstaunlichen Tanzes beschreiben:

In früherer Zeit hat eine große Schlange ein Dorf angegriffen und ein beherzter Mann hat sie verbissen bekämpft und schließlich beherrscht.

Eine andere Geschichte erzählt vom Überlebenskampf eines Mannes in feindlicher Natur. Die Frau repräsentiert hier entweder die Schlange oder die Natur.

Der Tanz ist voller Leidenschaft und Kraft; hohe Luftsprünge und kraftvolle Schritte sind sein charakteristisches Kennzeichen. Der Tanz der Männer ist ebenso wild wie der Rhythmus. Wenn er seinen Höhepunkt erreicht hat, begibt sich eine Frau in den Mittelpunkt. Sie entweicht ihm mit geschickten Wendungen, eine kleine Verfolgung beginnt woran sich ein imaginärer Kampf anschließt. Die Frau spielt dann die Gezähmte und nimmt wieder bei den anderen Teilnehmern Platz.

Oujda

Er gehört zur Kategorie der Kriegstänze. Die Männer sind weiß gekleidet, halten sich Ellbogen an Ellbogen und bewegen sich singend vor und zurück, begleitet von ihrem Fußstampfen.

Hier wird die Einigkeit und Unüberwindlichkeit symbolisiert, das zusammen nur einen Körper darstellen, der sich dem Feind entgegen stellt. Sie gleichen so einer Phalanx.

Vergleiche auch Dabka - hier wird die enge Reihenbildung ebenso gedeutet.

Shikhat

In Marokko finden wir mehr als 200 Berberstämme - jeder mit unverwechselbaren Gebräuchen, Kleidung und Tänzen. Tanz ist eine Form des Ausdrucks von Freude - ob allein oder in der Gruppe getanzt.

Morocco schreibt in der „Habibi“ 1993:

Eine Stämme beten und senden Beschützungsformeln während sie tanzen, andere zelebrieren Pflanzen, Ernten, Wechsel der Jahreszeiten und Geburt durch den Tanz.“

Während des Tanzes wird kommuniziert, geworben und Hochzeiten vereinbart - und auch die Aufklärung der jungen Mädchen erfolgt oft durch den Tanz.

Nach Havva leitet sich dieser Name von dem Wort "Sheika" ab. Eine Sheika ist eine Frau, die Wissen besitzt - auch erotisches Wissen, Ausstrahlung und Weisheit - und sie ist stark genug, daß sie dieses Wissen auch unterrichten kann.

Die Shikhat sind vergleichbar mit den Almeh in Ägypten, die sich jedoch nicht prostituierten.

Kate Harding und V. Lièvre schreiben, daß diese Frauen nicht nur Tänzerinnen sind sondern auch Sängerinnen und professionelle Musikerinnen sind und / aber auch Prostituierte sein können.

Den Namen Shikhat sollte man darum vorsichtig benutzen, da er auch eine Frau bezeichnen kann, die eine tanzende Prostituierte ist - der Name also im abwertenden Sinne gemeint ist.

Diese Frauen stammen vom Land und aus der unteren Gesellschaftsschicht, sind „Freie Frauen“ - geschieden oder Witwen und müssen für  ihre Kinder sorgen.

Shikhattänzerinnen tanzten und tanzen zu privaten Festen (Hochzeiten, Beschneidungen) und öffentlichen Anlässen (Moussem) - erst für die Frauen, dann für die Männer. Bei Hochzeiten sind ihre Bewegungen, ähnlich wie in Ägypten, eine Art Aufklärungsunterricht für das Brautpaar. 

Gewöhnlich wissen sie über alle Bescheid und kennen den lokalen Klatsch. So können sie sich in ihren improvisierten Versen über alle Vorzüge und Fehler der Gäste und Familie lustig machen.

Sängerinnen, unter der Leitung einer Frau, die die deff  (kleiner quadratischer Tamburin) schlägt, begleiten die Tänzerin ebenso wie Musikerinnen, die die tarija spielen, ein kleines Schlaginstrument aus Ton. (Sie lernen die Gedichte und Gesänge indem sie zuhören).

Der Rhythmus wird wiederum von einer anderen Frau geklatscht.

Die musikalische Begleitung kann aber auch einfach aus Bendiren, Klatschen und Stimmen bestehen. ‘Gumbri’ (ein Saiteninstrument, das horizontal gehalten und gezupft wird) oder die ‘kamangha’ (Violine, wird aufrecht auf dem Knie gehalten) vervollständigen manchmal die Begleitung.

Zwischen den Versen tanzt die Gruppe - mit „übertriebener Hüftarbeit, Brust und Bauch, deshalb ist dies bestimmt ein erotischer Tanz und die Bewegungen müssen trotz der langen und weiten Kaftane und d’finas, die sie tragen, sichtbar sein“ (Morocco, Habibi 1993)

Nördlich von Agadir bis nach Essaouira kam es früher öfter vor, dass die Tänzerinnen sich von blinden Musikern haben begleiten lassen; dies gehört jedoch der Vergangenheit an.

Heute existieren, je nach Region, auch gemischte Gruppen. Ihr Lebensstil ist städtisch und bei einigen recht luxuriös. Auch in Touristenrestaurants oder -hotels kann man solche Tänzerinnen sehen.

Nach Viviane Lièvre tanzen die Shikhat keinen präzisen Stil sondern eher ähnlich dem Orientalischen Tanz, obwohl er eigentlich nichts mit dem Raqs Sharki zu tun hat, sie improvisieren und fügen ihre eigene Persönlichkeit hinzu.

Er wirkt oft raffiniert, provokant oder auch zum Teil vulgär. Schnelle „Schulter- und Brustshimmies, Verrenkungen und Wellen des Beckens und Bauches sind vorherrschend“ 

Tücher oder Zimbeln werden von einigen in den Tanz einbezogen.

Libanesische und ägyptische Videos und Filme sind heute auch in Marokko zu bekommen und so werden natürlich auch Bewegungen des Raqs Sharki im „feinen städtischen“ Shikhat mit einbezogen, um ihn so kunstvoller zu machen und im Niveau zu heben.

Einige Frauen halten während des Tanzens eine kleine ‘taarija’ in der einen Hand, mit der anderen wird sie geschlagen und wieder andere spielen während ihrer Bewegungen den ‘bendir’.

Gut ausgebildete Shikhattänzerinnen spielen auch Zimbeln - nach Aussage von Morocco jedoch nur mit dreien statt, wie sonst üblich, mit vier. Sie halten zwei an der rechten Hand und nur eine an der linken Hand.

Wenn die Sheikha fühlt, dass es an der Zeit und die Bühne „bereitet“ ist, so tanzt sie selbst vor der Braut und singt Verse über die Hochzeitsnacht und den Verlust ihrer Jungfräulichkeit.

Durch ihre Bewegungen zeigt sie der jungen Frau wie diese sich im Hochzeitsbett bewegen soll. Danach stehen alle auf und tanzen bis zum Ende des Festes miteinander

Je nach persönlicher Einstellung und Finanzlage der Sheikha geht sie nach Hause oder zum Fest der Männer hinüber.

Wenn die Shikhat bei Festen vor Männern tanzen, kommt es auch manchmal vor, daß einer der Männer aufsteht und mit der Tänzerin tanzt, was nach V. Lièvre eine neue Freiheit darstellt.

Es ist sozial für eine ‘anständige’ Frau nicht akzeptabel eine professionelle Shihkattänzerin zu sein - allerdings tanzen alle Frauen zu Hause oder auf Parties untereinander.

Nach Morocco ist es für einen Mann akzeptabel eine Shikhattänzerin als zweite oder besser noch als dritte Frau zu nehmen. Dann ist es ihr - so lange die Ehe dauert - jedoch nicht mehr erlaubt öffentlich aufzutreten.

In Marokko tragen die Tänzerinnen einen bunten Kaftan aus Seide oder Samt, der von einer dfina aus Mousseline bedeckt wird (Form identisch mit dem Kaftan, aber vorn und an den Seiten geschlitzt). Das Kleid ist bodenlang, die Füße sind nicht zu sehen.

Die Tänzerinnen staffieren sich mit viel Schmuck aus. Besonders hübsch sind die filigranen Gürtel aus Gold oder Silber (ob immer echt kann ich allerdings nicht beurteilen), die um die Taille getragen werden.

Ein weiteres Charakteristikum sind lange, zusammengedrehte bunte Bänder aus Wollfäden mit vielen kürzeren Quasten oder Troddeln, manchmal aber auch Paillettenplättchen in kleinen Abständen. Sie werden wie ein Schultergurt um den Oberkörper geschlungen und hängen vom Rücken herunter und um die Hüfte. Bei einigen Tänzerinnen ersetzen diese Bänder auch den Gürtel.

Der Kopf wird von Tüchern bedeckt, die vorn etwas höher gebunden werden. Um das

eigentliche Tuch, dessen Fransen lang, bis fast zur Brusthöhe, herunter hängen und den Kopf quasi umrahmen, wird um die Stirn noch mindestens ein weiteres, sehr langes, geschlungen, dessen Enden auf dem Rücken bis zur Taille herunter hängen. Über dieses Stirntuch befestigen die Tänzerinnen den Stirnschmuck aus kleinen Silberplatten, die mit Steinen geschmückt sind; von ihrem Rand hängen Münzen in die Stirn. Modern sind auch paillettenbestickte Stirnbänder an deren Seiten Perlenschnüre herunter hängen. Ein goldenes Stirnband vervollständigt den Schmuck.

Einige Tänzerinnen haben ihr Haar unter den Tüchern verborgen, einige lassen auch den Hinterkopf frei, so dass das Haar heraushängen kann.

Ein weiteres Fest, bei dem viele Folkloretänze zu sehen sind, ist der Heiratsmarkt der Ait-Haddidou-Berber im Hohen Atlas.

Einmal im Jahr, vor dem Winter, findet ein großer Markt statt, wo man alles nur erdenkliche erstehen kann. Die Palette der Angebote reicht vom Zahnarzt über Autoreparatur, Viehmarkt bis zu Dingen des täglichen Lebens.

Ein weiterer Hauptanziehungspunkt ist er allerdings auch für die jungen Leute, die hier ihre zukünftigen Ehepartner aussuchen können. Nach einem kurzen Flirt kann noch an Ort und Stelle der Heiratsvertrag geschlossen werden.

(Meist kennen sich die Partner schon vorher und treffen sich dann offiziell beim Heiratsmarkt).

Ist es für die Frau die erste Heirat, kehrt sie für einige Monate zu ihrer Familie zurück und lebt dann erst mit ihrem Ehemann. Bei Witwen oder Geschiedenen entfällt die kurze Wartezeit, sie ziehen gleich zu ihrem neuen Mann.

Die Berber lebten früher in den fruchtbaren Gebieten Marokkos, wurden durch die Araber im 8. Jahrhundert allerdings in die Berge getrieben, wo sie, trotz Islamisierung, bis heute ihren alten Traditionen treu geblieben sind.

Die Frauen der Ait Haddidou heiraten öfter. Ihrer Meinung nach ist es besser sich zu trennen, als im Streit zu leben. Es hat für sie keinen Sinn eine zerrüttete Ehe zu erhalten - negativ ist dabei lediglich, daß die Gefahr besteht, sich schon wegen Kleinigkeiten zu trennen.

Die erste Ehe wird meist sehr jung geschlossen - ab 14 - 15 Jahren und hält selten lange. Der Grund für die frühe Eheschließung ist das islamische Gebot der Jungfräulichkeit bei der ersten Ehe. Diese ist für die Ait Haddidou jedoch nicht mehr als ein Versuch. Wird die Frau unglücklich, muß sie sich trennen. Liebt sie ihren Ehemann dann aber immer noch ist dies ein Problem und peinlich, wenn das Dorf etwas davon erfährt. Ist sie nicht mehr verliebt, dann schminkt sie sich und sucht sich einen neuen Mann.

Die Scheidung ist kein Problem, da die Frau nur erklären muß, daß sie sich trennen möchte. 4 Monate Wartezeit müssen jedoch eingehalten werden um zu sehen ob keine Schwangerschaft besteht. Dann kann einen neue Ehe eingegangen werden.

Hatte die Frau Kinder, so muss sie diese beim Vater lassen und in ihr Dorf zurückkehren.

Sie hat nun nur noch ihre Mitgift von der sie leben muss - oder sie geht, wenn dies möglich ist, zu ihren Eltern zurück oder heiratet sofort wieder.

Die Berberfrauen machen sich für den Heiratsmarkt besonders schön.

Sie benutzen Safran für die Augenbrauen, Khol um die Augenränder zu schwarz zu ummalen, Koschnie um die Wangen zu röten und böse Geister abzuwehren.

Über ihrem Kleid tragen die Frauen einen gestreiften gewebten Umhang aus Schafwolle.

Auf dem Kopf trägt die Frau ein blaues Seidentuch und darüber eine Art Kapuze (eine Spitze signalisiert: geschieden oder verwitwet, eine runde: erste Vermählung). Um die Kapuze wird ein Band aus Wollfäden gewickelt, das stramm sitzen muss; es soll grün sein und es werden zumeist Münzen mit eingeflochten.

Der Schmuck besteht aus Broschen, Silbermünzen und Bernsteinkette. Die Schuhe sind bunt bestickt.

Die Töchter werden auf den Heiratsmarkt vom Vater begleitet, die Mutter bleibt zu Hause, da eine verheiratete Frau ihr Gesicht nicht in der Öffentlichkeit zeigen soll.

Bis 1933 galten die marokkanischen Gesetze nicht für die Berber. Heute schon und der Provinzgouverneur möchte durchsetzen, dass die Ehen der Ait Haddidou den gleichen Gesetzen unterliegen wie alle anderen auch in Marokko. Dies stößt jedoch auf Widerstand.

Literatur- und Quellenhinweis:

Videobericht über die Ait Haddidou

Tänze aus Marokko, Saida  Nr. 5,  1992S. 13/14 von Havva

"Origins of Oriental Dance - The Berberdances of Morocco and Tunisia" Kate Harding

Internet: Cala (kharding a lamar. ColoState.edu).

Morocco’s Fantastic Folkloric Dance - El Raqs El Sharki Ausgabe 4, Dezember 1997 

von Habib Salloum

Marokkanische Folklore  eine Volkskunst - Halima  Nr. 3 1999 , übersetzt von Brigitte Baldinger nach einer Informationsschrift des Marokkanischen Fremdenverkehrsbüros

Danses du Maghreb - d’une rive a l’autre  Viviane Lièvre in Zusammenarbeit mit Jean-Yves Loude. Editions Karthala - 22-24, Boulevard Arago - 75013 Paris

Shikhatt,  Habibi Vol 12, No. 4  -, Morocco