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weitere
Kapitel aus meinem Buch "Spektrum Orientalischer
Tanz"
Tunesien, Marokko, Tanzstile Techniken der Bewegung Dabke Tribal |
Möchte
man die ursprüngliche tunesische Musik hören, muss man ein maurisches Café
Auch
die andalusische Musikrichtung ist in Tunesien noch verbreitet, allerdings
anders als in Marokko oder Algerien, da es von Spanien weiter entfernt liegt.
Der tunesische Stil
entspricht
dem ehemaligen Stil von Sevilla, der algerische dem von Córdoba und der
marokkanische
dem von Granada und Valencia.
Die
andalusische Nuba wurde im 9. Jahrhundert, von Ziryab, in der alten Tradition
von Bagdad, nach Córdoba gebracht, von wo aus sie sich in Andalusien weiter
ausbreitete.
(Siehe
Kapitel "Musik und Tanz in Andalusien)
Der
tunesische Stil ist auch von der ägyptischen Musik beeinflusst worden und wird
Parallel
zur andalusischen Musik in den Städten hat sich auch eine ländliche
entwickelt, die vor allem im Süden und am Rande der Sahara zu finden ist.
Der
malouf :
Der
Aufbau besteht aus fünf Hauptabschnitten, die in Tunesien btaihi, barwal,
darg, hafif
Die
Lieder sind sehr lang, der Gesang beginnt erst langsam und steigert sich dann.
Wir
finden Unterschiede in Form und Typus der Rhythmen, die Themen handeln aber
immer von Liebe, Leid, Verlust der Geliebten usw.
Die
Lieder werden von einem Orchester begleitet, die Instrumente sind:
Kanoun,
Oud, Kamanja (Violine in der Vertikalen gespielt), Tar, Darbouka, Bendir, Nai
(Flöte) oder Gasba (Hirtenflöte), Zukra (türkisch: Zurna) und Tabbal. Dies
ist die große Trommel, die umgehängt und mit einem dicken gekrümmten Stab (für
die Dum-Schläge)(ca.3cm Durchmesser und 30cm lang) und mit einem dünnen Stab
(3-5mm Durchmesser und auch etwa 30cm lang) (für die Tak-Schläge) geschlagen
wird.
Ab
und an findet sich auch die Shqasheq (Art Doppelzimbel, die auch in Marokko von
den Gnawa gespielt und dort Qarqabou genannt wird).
Die
Kenntnisse dieser Nubat nimmt seit dem 20. Jahrhundert stark ab.
Muwachaha:
dies
ist eine Sangestradition der klassisch arabischen Musik. Charakteristisch ist
die poetische Form und ein individueller musikalischer Stil. Sie soll im 9.
Jahrhundert von Mouqadd al Quabri erfunden worden sein und sich von Andalusien
in die östliche arabische Welt verbreitet haben.
Der
Tanzrhythmus ist meist der 6/8 oder 4/4 sowohl wie der 8/8
Hüften,
Füße und Handbewegungen bilden im tunesischen Tanz eine Einheit mit dem
Rhythmus
und den Perkussionsinstrumenten; Tänzerin oder Tänzer improvisieren zu der
Musik von Tabla / Darbouka, Mizmar / Zurna, Mezzoued (tunesischer Dudelsack)und
Tabbal / T’bol.
Bestimmte
Bewegungen haben auch ihre Bedeutung:
z.B.
"mahlen" Handfläche auf Handfläche reiben = neidisch machen, Salz in
die Wunde
reiben.
(tunesisch: hok hok)
Kostüm:
Das
Kleid der Frauen, die "meliya",
besteht aus einem einzigen Stück Stoff, der so zusammengelegt und mit
speziellen Fibeln gehalten wird, dass er um den Körper gewickelt werden kann.
D.h.
etwa 1/3 des Stoffes wird übereinandergelegt - eine Öffnung ist für den
rechten Arm, eine große für den Kopf, das linke Armloch wird dadurch gebildet,
dass man den Stoff nun um den Körper herumführt und mit einem Gürtel
befestigt.
Dieser
Gürtel besteht entweder aus einem breiten Stoffstreifen, der gebunden wird,
oder
er
wird aus einzelnen Fäden dicker Wolle zusammengedreht. Die Enden der Wolle
stehen rechts und links weg und betonen beim Tanz die starken Hüftbewegungen
noch zusätzlich.
Der Kopf wird mit einem Tuch bedeckt, das durch ein weiteres Tuch, das
um den Kopf
Ebensolche
Bänder verbinden auch die beiden Brustfibeln, die den Stoff zusammenhalten. An
den Füßen trägt die Tunesierin dicke Fußreifen "Khalkhal",
die manchmal innen gefüllt sind, so dass sie beim Gehen rascheln.
Eine
verheiratete Frau lässt manchmal auch Haarlocken (souelef)
über der Schläfe aus dem Kopftuch schauen und trägt darüber Schmuck.
Schmuckmotive, die immer wieder kehren sind: die Hand Fatimas, die Glück
bringen soll und dreieckige Motive (khal
- broche) verschieden verarbeitet. Das Dreieck bedeutet Gleichgewicht und
Harmonie.
Der
Schmuck der Braut ist sehr üppig - je mehr, um so besser ist sie gestellt.
Braut aus Djerba (Foto: Surya)
Familien-
und andere Feste sind willkommene Gelegenheiten für Musik, Gesang und Tanz, der
die populären Lieder (die Zindani
oder Zindali genannt werden)
begleitet.
Der
Tanz ist traditionell folkloristisch, eine Tänzerin improvisiert einige
Schritte, eine andere folgt ihr.
Der
Tanz der Männer unterscheidet sich sehr von dem der Frauen. Hüftbewegungen
fehlen,
sie betonen die rhythmischen Bewegungen durch Kopf-, Schulter- Hand- und Fußarbeit.
Sie stellen ihre Kraft und Geschicklichkeit dar und beschreiben Arbeiten aus dem
täglichen Leben.
In
Nordtunesien finden sich kaum Gruppentänze anders ist es im Süden (z.B. Jerba)
oder der Insel Kerkernah, die der Küste Zentraltunesiens vorgelagert ist.
Ebenfalls auch in den, an die algerische Grenze angrenzenden, Dörfer und Städte
Tunesien.
Auf
den Inseln tragen die Tänzer gleichzeitig ihre Instrumente. Bekleidet sind sie
mit einem langen weißen Rock (ähnlich dem griechisch-makedonischem - hier sind
die Röcke jedoch mit verschieden farbigen Streifen verziert).
Alle
Tänzer üben Bewegungen und Schritte gemeinsam aus. Nach Fethi Zghonda ähneln
diese Tänze denen, die im restlichen Mittelmeerraum existieren.
Einige
Tänze wurden ursprünglich von Tunesiern schwarzafrikanischen Ursprungs
getanzt. Begleitet werden sie auf den Instrumenten: Gumbri, einer Art Laute,
deren Saiten gezupft werden oder der Shqasheq, einer Art kleiner Zimbeln oder
Klappern.
(In
Marokko bezeichnet man diese Tänze als Gnawa)
Er
gehört zu den schwarzafrikanischen Tänzen und wird nur von Frauen getanzt -
und zwar so lange, bis die Extase ihnen erlaubt mit den "Djinns"
(Geistern) in Kontakt zu treten.
Dieser
Name wird abgeleitet vom Schutzheiligen der Schwarzen des Maghreb, Sidi Saâd.
Besonders im Norden Tunesiens und in Tunis hat sich dieser Tanz erhalten. Der
Bou Saâdyya wird hier von Tunesiern schwarzafrikanischen Ursprungs dargestellt
und er wird auch mit Bittprozessionen um Regen in Verbindung gebracht. Der Lärm
den er mit seinen Rasseln verursacht und die Spiegel seiner Kleidung sollen
Donner und Regen anziehen können.
Der
Tänzer ist mit einer Tierhaut und Maske bekleidet, tanzt grotesk in den Straßen
zum Rhythmus seiner "shqashaq" (in Marokko auch qarqabous genannt) und
möchte Passanten - und vor allem kleine Kinder beeindrucken. Manchmal, auf ein
Augenzwinkern der Eltern hin, soll er den Kindern etwas Angst machen
damit diese zu ihren Eltern artig sind.
(Erinnert
doch sehr an Knecht Ruprecht, den Gehilfen des Nikolaus)
Sein
Kostüm besteht aus bunten Lumpen auf welchen Amulette, Spiegel, Glöckchen und
Kauris hängen. Um die Hüften schlingt er Schakal- oder Fuchsschwänze. Eine
spitz zulaufende Kappe, die durch Hörner oder Federn noch etwas erhöht wird,
ist seine Kopfbedeckung, die auch etwas das Gesicht bedeckt.
All
dieses Zubehör verursacht schon Lärm, hinzu kommt dann noch der Klang seiner
Instrumente, Klappern und der Trommel (ganga - t’bol) die von einem Begleiter
gespielt wird.
Der
Tanz wirkt grotesk durch seine Haltung, die Füße sind oft gekreuzt, er dreht
sich rasend schnell um sich selbst.
Heute
findet man diesen Tanz nur noch selten - fast ausschließlich nur noch während
folkloristischer Feste oder im touristischen Bereich - dann aber eher als
Clownnummer.
Auch
er ist schwarzafrikanischen Ursprungs. Die Mitglieder der Bruderschaft von Sidi
Saâd hatten die Angewohnheit sich zu organisieren und zogen noch bis vor 20
Jahren durch die Straßen von Tunis, bevor ihr Festival, das zum Frühlingsanfang
3 Tage dauerte, begann.
Der
Stambali wurde von den weißen muslimischen sowie jüdischen Tunesiern übernommen.
Die, vor allem alten, Frauen glaubten daran, daß dieser Tanz die bösen Geister
vertreiben und sie vom Rheumatismus heilen kann; mindestens einmal im Jahr soll
ihrer Meinung nach ein solches Spektakel veranstaltet werden.
Er
ist ebenfalls schwarzafrikanischen Ursprungs und wird im Süden Tunesiens
getanzt, vor allem in Zarzis und Jerba.
Gut
zwanzig Tänzer bilden einen Kreis. In der Mitte befinden sich 3 Musiker und die
Tänzer
machen Hand- und Hüftbewegungen, indem sie einen Stock, den sie in der
rechten
Hand halten, schlagen. Gleichzeitig, während des Herumschlagens, drehen
sie
sich ähnlich wie sich die Erde um die Sonne dreht. Die Tänzer tragen ein
plissiertes
Kleid
- aber in verschiedenen Farben.
Raks al juzur - Tanz der Inseln
Dieser
Tanz stammt ursprünglich von den Inseln Kerkenna und Djerba und wurde das
Symbol des tunesischen Tanzes, der auch zu jeder touristischen Veranstaltung
getanzt wird und daher auch über die tunesischen Grenzen bekannt geworden ist.
Im
Süden der Insel Djerba, z.B. Guellala und El Jem, tanzen Frauen und Männer bei
häuslichen Festen diesen Tanz, die männliche Variante ist allerdings sehr
akrobatisch.
Sie
balancieren nicht nur einen Krug auf dem Kopf, der von einer chechia bedeckt ist
- sondern gleich mehrere - bis zu
12! Und steigen dabei dann auch noch über eine hohe Leiter
FAZZANI - Krugtanz der Frauen - Dance de Gargoulette
Foto:
D. Kiendcierewicz
Der
Krug symbolisiert die tägliche Arbeit der bäuerlichen Frauen, die am Brunnen
Wasser holen und den vollen Krug auf dem Kopf nach Hause tragen. Die
heutigen Frauen tanzen ihn anlässlich
häuslicher Feste.
Beim
Tanz wird der Krug wird auf dem Kopf balanciert, die schnellen Bewegungen der Hüfte
können groß und ausladend sein und stark akzentuiert. Getanzt wird auf dem Fußballen,
der Oberkörper bleibt dabei ganz ruhig und bildet einen wundervollen Kontrast
zur Bewegung der Hüfte. Ein Arm wird erhoben und befindet sich in einem kleinen
Abstand vom Krug, der linke Arm wird etwas vorgestreckt.
Auch
ein Bodenteil gehört zu diesem Tanz. Die Frauen setzen sich, immer den Krug auf
dem Kopf balancierend, auf den Boden - entweder seitlich oder ganz normal, Beine
nach vorn gestreckt.
Die
Mezzoued
bestimmt den Tanz und wird von der Darbouka oder von der T’bol
(große doppelseitige Trommel) und Zukra begleitet.
Die
Kleidung der Frauen ist das traditionelle tunesische Gewand. Die foutah, das
rechteckige Stoffstück wird um den Körper gewickelt und mit zwei Spangen in
Brusthöhe zusammen gehalten. Um die Hüfte hält ein Gürtel, der aus vielen
einzelnen wollweißen Wollfäden besteht, den Stoff zusammen. Anstatt der Wollgürtel
kann aber auch ein spezielles weißes breites Tuch genommen werden.
Unter
dem Gewand wird eine Bluse getragen, die weite lange Ärmel hat. Der Kopf ist
mit einem Tuch bedeckt um das wiederum ein anderes geschlungen wird und wie ein
Diadem wirkt.
Manchmal
wird auch ein kleines Hütchen getragen, das ebenso wie das Diadem mit Gold-
oder Silberschmuck geschmückt ist. Rechts und links von diesem Diadem oder Hütchen
hängen lange Ketten herunter. Überhaupt wird viel Schmuck gezeigt - den die
Frauen zumeist als Hochzeitsgeschenk bekommen haben.
Zwischen den beiden Spangen in Brusthöhe, die das Kleid zusammen halten hängen ebenso eine - oder mehrere Ketten. Die Frauen tragen des weiteren viele Armreifen und an den Fußgelenken breite Fußreifen, khalkhal genannt. Diese klingeln bei jeder Bewegung und unterstreichen so die Bewegungen der Tänzerin musikalisch.
Bounouwara
(2/4 ...4/4)
Dieser
Tanz wird mit zwei Tüchern getanzt, die z.B. Tränen oder Blumen symbolisieren,
meist jedoch eine Liebesgeschichte.
Die
Tücher werden, eins in der rechten und eins in der linken Hand, beim Tanz weich
mitgeschwungen.
Die Bewegungen des Tanzes sind auch weicher und nicht so stark
akzentuiert.
Er wird sowohl von Männern als auch von Frauen getanzt.
Zgara
(Kampftanz
mit Stock oder Säbel)
Dieser
Tanz imitiert den Kampf mit dem Säbel oder dem Stock; er ist überall auf dem
Lande in Nordtunesien bekannt, oft auch als ein Teil der fantasia. Getanzt wird
er von Männern bei Hochzeiten und öffentlichen Festen.
Die
Kleidung besteht aus einer langen Hose, die in die Stiefel gesteckt wird, einer
Tunika und einer weißen Chèche (tunes. Kappe). Schulterriemen sind vor Brust
und Rücken gekreuzt und ein breiter bestickter Gürtel vervollständigt die
Kleidung.
Normalerweise
wird der Zgara von zwei Männern getanzt, die mit Säbeln oder Stöcken
bewaffnet sind und ein Duell darstellen. Der Tanz ist männlich und kriegerisch;
die Männer versuchen sich an Tapferkeit zu übertreffen.
Begleitet
werden sie vom Rhythmus der T’bol und die populären Melodien werden von der
Mizmar/ Zukra improvisiert. Dabei stimmen die Schläge des Stocks genau mit dem
Rhythmus (stark oder schwach) der Musik überein.
Für
Viviane Lièvre besteht die Möglichkeit, daß der Zgara Nordtunesiens eine
Nachahmung der Stocktänze oder Gewehrtänze der Beduinen des Südens ist, da
auch sie einen kriegerischen Charakter haben.
Sie
zitiert M. Menouillar, der einen Gewehrtanz während einer Hochzeit in Südtunesien,
Matmata, beschreibt:
„Einen
Einzelkampf vortäuschend, rücken die jungen Leute zu zweit vor, marschieren
mit ruckartigen Bewegungen einer gegen den anderen vor. Ihre Füße sind auf
einer Linie, schleifen über den Boden, ohne ihre Position zu verlassen - sich
gegenseitig beobachtend.
Wenn
sie sich genähert haben, drehen sie sich, zusammen einen Kreis beschreibend -
immer einer gegenüber dem anderen, sich wieder zurückziehend und tun so als ob
sie sich verstellen.
Alle
Bewegungen vollführen sie zusammen indem sie ihre Waffen, die sie anschließend
in die Luft werfen, im Kreis herum wirbeln lassen und sie fangen sie geschickt
wieder auf - bis zum Augenblick, in dem sie gleichzeitig ihr Gewehr, in der
Mitte des eingenommenen Kreises, abfeuern. Dann machen sie zwei anderen Spielern
Platz, die durch Freudenschreie der Frauen begrüßt werden.
Dann
kommen die Reiter an die Reihe, die im Galopp in Richtung der Braut hereingestürzt
kommen und ihre Gewehre abschießen.“
Andere
Gruppentänze werden vorwiegend von religiösen Bruderschaften getanzt.
Hadhra,
Zerda und Derwisch sind Trancetänze.
Die
Bruderschaft der Issawiya ist die bekannteste und verbreitetste Bruderschaft des
Maghreb. Sie stammt aus dem
Sufismus ab und ist für ihre Hadra, ein Ritual mit exstatischen Tänzen, berühmt.
Ihre
Anhänger, hauptsächlich Männer, rekrutieren sich vor allem aus den volkstümlichen
Milieus der Städter oder Landbewohner.
Ihr
Gründer ist Sidi Ahmed Ben Aissa, der 1465 geboren wurde und eine Menge Wunder
vollbrachte. Er starb gegen 1523 in Meknes /Marokko, wo sich sein Grab befindet.
Anhänger
der Aissaoua zogen Vorteile aus diesem
göttlichen Schutz, und vollführen in Trance, die sie schmerzunempfindlich
macht, gefährliche Praktiken.
Sehr
beeindruckend sind Übungen wie „Eisenspiele“ und „Feuerspiele
Die
Gläubigen, die die "Kadrun", eine Art Kleid aus Wollstoff in der Hüfte
mit einem
langem
Ledergürtel gehalten, tragen, tanzen nach Derwischart. Sie stellen sich in die
rechte
Linie und beginnen zu kreisen, gefolgt von dem "Shikh El Hadra". Die
Brustbe-
wegungen,
die des Kopfes und der Füße steigern sich bis zur Ekstase.
Als
Thikr wird der rituale Gruppengesang bezeichnet.
ANDALOU
Dies
ist ein weiblicher Tanzstil städtischen Ursprungs. Er wird ausschließlich im
Milieu der traditionellen maghrebinischen wohlhabenden Bürgerschaft
praktiziert: in Fès, Rabat, Tlemcen, Alger, Constantine, Tunis.
Dieser
Hoftanz findet seinen Platz zur Zeit der privaten Treffen (Vereinigung) oder während
familiärer Feste - am Ende eines klassischen Konzerts. Die beschwingte Musik
ist eine Anleihe an Stücke des meistgetanzten städtischen Repertoires.
Die
gesungenen Melodien werden von einem Orchester begleitet, bei dem tar,
(Schellentamburin), naqqarat (kleine
Kesselpauken) und darbouka
(Bechertrommel)
eine
große Rolle spielen.
Die
Tänzerinnen, die reiche Kostüme tragen und mit Goldschmuck geschmückt sind,
bewegen sich mit kleinen leichten Schritten, neigen graziös den Kopf. Ihre Arme
zeichnen die Meander der Musik nach, die Harmonie wird durch das Spiel mit
Seidenschleiern noch verstärkt.
Dieser
Tanz ist das Erbe der bürgerlichen Familien, die die alten weltlichen häuslichen
Traditionen noch erhalten haben.
Zindali
(Andalou
populaire)
Er
ist der volkstümliche Andalou. Rhythmus und Stil des typischen
Constantinesischen Tanzes sind im gesamten Ostalgerien und im nördlichen
Tunesien, nahe der algerischen Grenze, verbreitet.
Der
Tanz wird von Frauen improvisiert, der Bauch wird hier wertgeschätzt als
„Symbol der Fruchtbarkeit“- „Zeigt euren Bauch!“ - Der Zindali lenkt die
Aufmerksamkeit auf diesen sehr weiblichen Körperteil - ähnlich wie der
Orientalische Tanz.
Bei
familiären Festen wird dieser städtische Tanz praktiziert. Die Frauen tanzen
abwechselnd und bitten die anderen sie abzulösen, indem sie ihnen ihren Hüftschal
anbieten.
Sie
stehen fest auf ihren Füßen, auf dem ganzen oder auf Halbspitze, die Knie
bleiben sehr weich, was ein Vor- und Rückbalancieren des Beckens ermöglicht,
welches das ruck- und stoßweise Vorstrecken des Bauches fördert.
Die
Arme werden auf Brusthöhe gehalten und vollführen graziöse Bewegungen, die
durch Tücher verlängert werden. Dabei kann es auch geschehen, daß eine Frau
in Trance gerät und erschöpft zusammenbricht.
Constantine
hat die andalusische Musik, den malouf,
mehr als alle anderen bewahrt.
Musikalisch
wird dieser Tanz von bendir, darbouka,
tar, t’bilet und t’bol begleitet.
Im
Zindali wird die Gestik des Tanzes
besonders durch die Art des Kostüms beeinflußt.
So
hat z.B. in Annaba oder Constantine der Körper der Frauen, der unter schweren
Kleidern aus Samt, bestickt mit Gold- oder Silberfäden, wenig Freiheit um sich
auszudrücken.
Die
Tänzerin lenkt durch langsame Bewegungen der Arme eher die Blicke auf ihren
Schmuck und zeigt so ihre Schätze. Während in Souk Ahras, die Kleider aus
leichtem Stoff bestehen, Voile oder Mousseline - die die Bauchbewegungen der Tänzerin
betonen, und diese dadurch sinnlicher machen.
Bei
Familienfesten vergnügen sich aber auch einige Männer, indem sie die Frauen
imitieren und wie sie bauchbetont den Zindali tanzen.
AZRIAT
oder AZRIAS
Dies
sind freie Frauen, die die Kunst des Gesangs und des Tanzes praktizieren;
verwandt mit den Stämmen der Chaouia des Aures.
Sie
traten über 30 Jahre hinweg auf Festen auf,
bevor die religiösen Autoritäten ihre
Darbietungen
untersagten.
Gh’bonten
ist der Name eines großen Stammes kriegerischer
Nomaden mit dunkler Haut, die aus der libyschen Wüste stammten. Sie lebten von
Viehzucht, Handel und Razzien (Überfälle). Sie sind in der Nähe von Medenine
in Sidi Makhlouf im Süden Tunesiens seßhaft geworden und herrschen über ein
weitläufiges Gebiet mit vielen Tälern. Die Häuser befinden sich auf dem
Gipfel jedes Hügels und schaffen so einen Eindruck von regelmäßiger
Verteilung. Da sie sich der benachbarten Bevölkerung wenig angepaßt haben,
haben die Gh’bonten eine Vielzahl von Eigenarten beibehalten - besonders in
ihren musikalischen und tänzerischen Sitten/ Gebräuchen.
Gh’bonten
ist ebenfalls der Name der Musik- und Tanztruppe, die aus diesem Stamm kommen.
MOUSSEM
oder ZIARA
Das
Wort Moussem wird in Algerien und Marokko benutzt, während man in Tunesien
Ziara
(Besuch) sagt - oder manchmal auch Zarda.
Es
ist ein Maraboutfest. Die jährliche Pilgerfahrt ist mit der Anbetung eines
Heiligen verbunden, wobei Gesänge und Tänze einen wichtigen Platz einnehmen.
Der
orthodoxe Islam, der die Anbetung von Heiligen ablehnt, lehnt die Moussemfeiern
ab.
Jedes
Moussemfest im Maghreb hat sein eigenes Wesen. Der anläßlich der Pilgerfahrt
geehrte Schutzheilige, kann der einer Stadt (städt. Moussem) oder eines Dorfes
sein oder der namensgebende Vorfahr eines Stammes oder Teilstammes oder auch der
Gründer einer Bruderschaft sein. Es
gibt allerdings große Gemeinsamkeiten dieses Typs sehr verbreiteter
Volksbelustigung. Das Heilige und das Weltliche vermischen sich; diese Art Fest
hat auch heute noch eine große Bedeutung und eine soziale Funktion, da sich das
Volks vereint und gemeinsam belustigt. In den 3 großen Ländern des Maghreb
findet immer noch eine beeindruckende Anzahl von Moussemfesten statt und zwar zu
Zeiten in denen keine bäuerlichen Arbeiten zu erledigen sind - also zum Ende
des Sommers und im Herbst.
In
den Städten treffen die Moussemfeste häufig mit einem Fest des moslemischen
Kalenders zusammen, besonders mit jenem des Mouloud (die Geburt des Propheten).
Diese Treffen dauern 3 Tage und fangen häufig an einem Donnerstag an.
Saharafestival:
Foto:
D. Kiendcierewicz
jedes
Jahr finden sich in Douz (Südtunesien) alle Musiker der Wüstennomaden
zusammen. Hochzeitszeremonien, Fantasia und Tänze werden dargeboten.
Ein
Gruppentanz, der in der Sahara vorkommt wird von ca. 10 Männern getanzt, die
mit
Jebbas
oder langen weißen Tuniken bekleidet sind. Das Gesicht ist - ähnlich
wie
bei den Tuareg - verborgen. Während des Tanzes wird gesungen und der Rhythmus
der "Gassaâ" (eine Art
Holzschüssel mit Kamelhaut bespannt) spielt die Begleitung.
In
der rechten Hand halten sie einen Stock, in der linken einen roten Schal. Die
Bewegungen erinnern an Szenen der Gazellenjagd. Der Anführer ist zwangsläufig
ein Liedermacher, die Tänzer wiederholen dann im Chor ein Lied, das während
der verschieden Tänze gesungen wird.
In
diesem Tanz haben sich die Traditionen von Medenine und Mareth (Südtunesien)
erhalten.
Beduinentänze:
Beduinenfrauen
tanzen zum Vergnügen der Männer, die nach einem langen Marsch in die Oase zurückgekehrt
sind. Sie tragen dicke, schwere silberne Fußreifen. Der Tanz wird stimuliert
durch die Instrumente: mezzoued,
Darboukka und Bendir
(mezzoued
= tunes. Dudelsack)
Rhythmen
im Tunesischen Tanz:
Âllaji
- 6/8, Ghitha(Rita) - 3 /4,
Saâdaoui - 4/ 4, ‘Mrabbaâ
- 4/4, Al Mraba’a 8/4
Bounawara
- 2/4 (4/4), Al Gheeta 3 /4,
Al Halla 3 /4, Al â’llagi
6/8
Raks
al Juzur: Tänze der Inseln Djerba und Kerkenna 4/4
Al
Fazzani (Krugtanz) 4/4, Souga
4/4, Ezzgara 4/4
und viele andere.
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Quellenhinweis: Mustapha
El Oueslati - er lebt seit
einigen Jahren in Deutschland Féthi
Zghonda: Les Danses Traditionnelles et Folkloriques En Tunisie Gérard
Krémer: Tunisie - Chants et Danses Habib
Hassan Touma Die Musik der Araber -
Florian Noetzel Verlag 1989 Viviane
Lièvre / Jean-Yves Loude Danses du Maghreb - d’une rive à l’autre Editions
Karthala - 22-24, Boulevard Arago - 75013 Paris |