Tunesien allgemein
Tunesiens Geschichte ist sehr wechselhaft. 814 v. Chr. gründeten
die Phönizier Karthago, hier beginnt die "geschriebene Geschichte"
Tunesiens. Karthago war eine wichtige und wohlhabende Stadt, ihre Einwohner
schufen eine Zivilisation die die orientalischen und phönizischen Elemente mit
den lokalen, berberischen Elementen verband.
Seefahrt, Handel und Landwirtschaft waren die wirtschaftlichen Grundpfeiler. Krieg wurde öfter geführt - am bekanntesten dürften jedoch die punischen Kriege gegen Rom sein, die auch schließlich das Ende Karthagos herbeiführten. 44 v. Chr. beschloss Cäsar an Stelle der punischen in Schutt und Asche gelegten Hauptstadt Karthago eine neue römische Siedlung zu gründen, was dann aber erst 29 v. Chr. von Octavius (später Kaiser Augustus) auch ausgeführt wurde. Tunesien wurde von einem eindrucksvollen Straßennetz durchzogen, Äquadukte, Talsperren und Zisternen gebaut, es galt alsbald als die Kornkammer Roms.
Besucht man Tunesien, so sind die Reste der Römerzeit noch im ganzen Land zu besichtigen.Später (429) eroberte Genserich, der Vandale von der iberischen Halbinsel aus Nordafrika, behielt aber die römischen Verwaltungen bei. Ab 533 eroberten dann die Byzantiner Nordafrika, aus dieser Zeit sind einige Festungen erhalten.
Die Islamisierung setzte bald nach Mohameds Tod ein und der Islam wurde auch
nach Nordafrika getragen. 670 kam Okba Ibn Nafa nach Tunesien, Kairouan wurde
erste islamische Hauptstadt auf Nordafrikanischem Boden. Die Berber versuchten
sich gegen die Islamisierung zu wehren, vor allem Al Kahina (eine Berberfürstin)
widerstand lange dem Ansturm, wurde aber dann zu Beginn des 8. Jh. doch besiegt.
Mehrere Dynastien gelangten an die Macht: Die Aghlabiden waren arabischen Ursprungs, die Ziriden und Hafsiden berberischen Ursprungs und die husseinitische Dynastie (Beginn des 19. Jh) gar türkischen Ursprungs.
1883 mit dem Vertrag von Marsa wurde Tunesien französisches Kolonie und am 20. März 1956 schließlich unabhängig. Bourguiba wurde erster Präsident, 1959 bekam es eine Verfassung, die später dahingehend abgeändert wurde, dass der Präsident lebenslang im Amt bleiben konnte. 1987 übernahm dann Zine el-Abidine Ben Ali das Amt, da Ärzte Bourguiba gesundheitlich nicht mehr in der Lage hielten das Amt zu begleiten. 1988 wurde die Verfassung dann erneut geändert um die Dauer und Erneuerung des Mandats im Falle einer Machtlücke zu regeln. Ben Ali wurde 1994 wieder gewählt.
Maschrabia in
Hammamet |
Markt in Nabeul |
Tunesien hat sich
seither bestens entwickelt und steht an der Spitze der arabischen Länder
Nordafrikas. Es war auch Vorreiter
was die rechtliche Stellung der Frau in islamischen Ländern betraf:
In den Dörfern ist die Großfamilie noch eine festgefügte Gemeinschaft, in der
oft vier Generationen unter einem Dach zusammenleben. Nicht selten auch noch
Vettern, Kusinen, Nichten und Neffen, einschließlich verwitweter oder
geschiedener Familienmitglieder.
Das männliche Familienoberhaupt entscheidet über alle wichtigen Fragen. Alle
Glauben, dass er nur das Beste für die Familie möchte und respektieren daher
seine Entscheidungen - er wird aber
immer im Einverständnis mit seiner Mutter handeln. Denn Mutter und Vater genießen
innerhalb der Großfamilie größte Verehrung und Hochachtung. Kraft und Macht
der Großfamilie beruhen auf absoluter Solidarität.
Alle sind jederzeit und immer füreinander da. Das Einkommen aller wird
zusammengelegt und für alle ausgegeben.
Frauen wurden in Tunesien den Männern gleichgestellt.
Sie konnten jetzt den Ehemann selbst wählen, Erbanteile einfordern und
einklagen, über ihr Vermögen bestimmen und auch die Scheidung einreichen.
Selbst die Vormundschaft für ihre Kinder konnte sie einklagen. (Tatsächlich
war aber immer noch der Mann im Vorteil, da ihm ein größeres Erbteil zustand
und die Vormundschaft doch eher dem Mann als Oberhaupt der Familie zugesprochen
wurde)
Der Anteil der Mädchen in Tunesien, die Mittlere Reife oder Abitur machten hat sich allein von 56 –77 verdoppelt. Wobei allerdings die Städterin im Vorteil im Gegensatz zur Landbewohnerin ist.
SPRACHE:
Amtssprache ist
Arabisch. Tunesisch ist ein westarabischer Dialekt, wird als Umgangssprache
gesprochen. Französisch ist außerdem zweite Landes- und Geschäftssprache, was
ganz nützlich für Touristen ist, die meist nicht Arabisch sprechen. Englisch
und Deutsch versteht man oft in größeren Städten und Urlaubsorten.
RELIGION:
Islam ist
Staatsreligion, wir finden aber auch jüdische, katholische und protestantische
Minderheiten.
Der arabische Feldherr Ogba ibn Nafi gründete 670 die erste Moschee des
Maghreb und legte damit auch den Grundstein für die Stadt KAIROUAN, die zu den
vier heiligsten Städten des Islam gehört.
Die Rechtsprechung erfolgt nach europäischen Normen. Der Koran gilt
in Tunesien nicht mehr als Gesetzbuch.
Der Volksglaube kennt
allerdings immer noch eine Vielzahl magischer Elemente, die aus vorislamischer
Zeit stammen. Aus Angst vor dem sogenannten "bösen Blick" greifen die
Menschen zu verschiedenen Vorsichtsmaßnahmen: Das Symbol der "Hand der
Fatima" auch "Khamsa" (Fünf) genannt, ist die häufigste Waffe
gegen Unheil. Man trägt sie als Schmuckanhänger, verziert mit einem
Handabdruck. Auch der Fisch
ist ein Schutzsymbol, den schon die Phönizier kannten.
Henna-Tätowierungen, die viele ältere Frauen tragen, schützen ebenso
vor dem Einfluss des Bösen. Bei Hochzeiten gehört die Hennazeremonie für die
Braut unbedingt zum Festablauf.
ESSEN & TRINKEN
Cous-Cous
ist, wie auch in anderen Ländern, das traditionelle Nationalgericht. Grober
Weizengrieß oder auch Hirse wird über Wasserdampf gegart. Anschließend wird
er mit Fleisch, Geflügel, kleinen Fischen sowie Gemüse angerichtet. Es gibt
auch süßen Cous - Cous mit Obst und Nüssen.
Am besten schmeckt er jedoch in einem einheimischen Gasthaus oder noch besser
bei den Einheimischen selbst. Denn nur hier wird noch ordentlich gewürzt - die
Hotels passen sich meist der europäischen Küche an, die weniger scharf würzt.
Zu den Spezialitäten zählen
auch Fischgerichte und Tajine, ein Lammeintopf. Tunesische Gerichte sind oft mit
Olivenöl zubereitet und mit Anis, Koriander, Kreuzkümmel, Kümmel, Zimt,
Safran, Minze, Orangenblüten oder Rosenwasser gewürzt. In Tunis und anderen
großen Städten gibt es auch französische, italienische und andere europäische
Restaurants.
Getränke: Maurische Cafés
mit traditionellem Dekor servieren ausgezeichneten türkischen Kaffee und
Pfefferminztee mit Pinienkernen. Tunesien produziert ausgezeichnete Tafelweine,
Sekt, Bier, Aperitifs und einheimische Liköre wie Boukha (aus Feigen
destilliert) oder Thibarine (Dattellikör).
EINKAUFSTIPPS
Töpferwaren, Kupferwaren,
Gegenstände aus Olivenholz, Lederwaren, traditionelle Kleidung (Kaftan, Djelaba,
Burnus), Folklorepuppen, Stickereien, Kacheln, Silberwaren, emaillierter Schmuck
und Teppiche.
Öffnungszeiten der Geschäfte:
08.00-12.00 und 16.00-19.00 Uhr im Sommer, 08.30-12.00 und 15.00-18.00 Uhr im
Winter.
Wochenmärkte: An
bestimmten Wochentagen finden in den Städten und Dörfern Märkte statt.
Es gibt auch ONAT-Läden (Handelskammer)-Werkstätten und -Geschäfte, in
denen die Waren zu Festpreisen angeboten werden und man per Euroscheck
(Scheckkarte) bezahlen kann. Bei Bezahlung in Devisen erhält man in ONAT-Läden
10% Rabatt. Auf Artikel, die in EU-Länder geschickt werden und deren Wert 4000
DM nicht übersteigt, wird keine Steuer erhoben (hierfür ist ein EUR 1-Formular
erforderlich). Bei jedem Einkauf von mehr als 5 TD muss man sich eine Quittung
geben lassen und diese zusammen mit den Umtauschquittungen der Banken bei der
Ausreise vorzeigen.
SITTEN
Zur Begrüßung gibt man sich die Hand. Gastfreundschaft spielt eine große
Rolle, und kleine Geschenke der Anerkennung oder als Zeichen der Freundschaft
sind immer willkommen. Kleidung darf zwanglos sein, aber im Hinblick auf den überwiegend
islamischen Glauben der Bevölkerung sollten Frauen weder bloße Knie noch
Schultern zeigen. Badekleidung gehört an den Strand. Trinkgeld: 10-15% für
alle Dienstleistungen.